Grasser hat sich bei Aktien-Offenlegung schon wieder verrechnet

27. Oktober 2003, 14:32
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Tatsächlicher Wert höher - Cap: Finanzminister sollte Grundrechnungsarten beherrschen - Kohl: Keine böse Absicht

Wien Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat sich wieder verrechnet: Der bei der "Offenlegung" am vergangenen Sonntag angegebene Gesamtwert seines Aktienportfolios wurde zu gering angesetzt, berichtete der geschäftsführende SPÖ-Klubobmann Josef Cap Freitag in einer Pressekonferenz. "Es wäre schon notwendig, dass zumindest ein Finanzminister die Grundrechnungsarten beherrscht", ätzte er. Im Büro des Ministers räumte man ein, dass bei der Erstellung der Liste zwei Fehler gemacht wurden. Dem Unvereinbarkeitsausschuss sei aber eine richtige Liste vorgelegt worden.

Falsche Komma-Stelle die Zweite

Grassers "Offenlegung", die detailliert in einer Aussendung dargestellt wurde, enthält zwei Fehler: Die Addition der Werte der 17 Beteiligungen stimmt nicht. Statt den angeführten 127.835,15 Euro beträgt die Summe 131.273,04 Euro. Außerdem wurde für zwei kanadische Unternehmen - so das Finanzminsterium - der Kurs um eine Kommastelle zu hoch angesetzt.

Rechnet man Grassers Liste genau mit seinen Angaben - also dem von ihm genannten Anteilen zu dem von ihm angeführten Kurs - nach, hat sich der Finanzminister um insgesamt 51.568,36 Euro verrechnet. Bei zwei kanadischen Aktienpaketen ergibt die Multiplikation Stück mal Kurs einen um eine Kommastelle höheren Wert als in der Liste angeführt.

Für die 60.000 Anteile an Avenue Financial Corp wird ein Kurs von 0,90 Kanadischen Dollar ausgewiesen, was mit Stichtag 10. Oktober 34.378,90 Euro ergibt - und nicht die angeführten 3.437,89 Euro. Die 3.437,89 Euro würden allerdings stimmen, wird in Grassers Büro betont. Der Kurs habe nämlich 0,09 Kanadische Dollar betragen. Ebenso bei den 150.000 Anteilen an Octagon Inds Inc., wo der Kurs nicht - wie in der Liste steht - 0,20 Kanadische Dollar, sondern 0,02 Kanadische Dollar betragen habe.

Falsche Komma-Stelle die Erste

Grasser hat zu seinem Aktienbesitz schon einmal eine unrichtige Angabe gemacht: Hinsichtlich seiner früheren Yline-Anteile hat er zunächst von einem 0,000015 Prozent-Anteil gesprochen. Nachdem die "Presse" nachgerechnet hat, musste er einräumen, dass es tatsächlich 0,015 Prozent waren.

Die Grundrechnungsarten zu beherrschen "wäre eigentlich eine Voraussetzung, um Finanzminister zu sein", meinte Cap: "Grasser sollte einen Kurs für Grundrechnungsarten besuchen." Andreas Khol verteidigte den Finanzminister indessen: Ihm sei nur ein Formfehler unterlaufen. (APA)

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    Mit Gewinn: Grasser hat sich bei der Nennung seiner Aktien um 51.568,36 Euro verrechnet.

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