BMW-Boom in USA beflügelt Österreich

20. Oktober 2003, 16:21
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Die USA sind seit heuer größter Einzelmarkt für BMW - Dabei werden jährlich 100.000 Motoren aus Steyr ins Werk Spartanburg geliefert

"Think Quality", "Think Safety", "Think Teamwork": Wären die Spruchbänder auf Deutsch, man würde glatt meinen, in Deutschland zu sein. 1992 legte BMW den Grundstein für Spartanburg, rasch wurden in South Carolina dieselben Qualitätslevels wie im deutschen Werksverbund etabliert. Worauf das Team besonders stolz ist: Innerhalb nur dreier Monate wurde die Produktion des neuen Roadsters Z4 auf "Kammlinie" hochgefahren, ein auch international rekordverdächtiger Wert. Für das Facelift des Geländewagens X5 wurden gar nur 30 Minuten benötigt, erläutert Werksleiter Helmut Leube im Gespräch mit dem STANDARD.

Standortvorteile

2,5 Milliarden US-Dollar hat BMW bisher in den Standort investiert, noch einmal die gleiche Summe steuerten die frisch angesiedelten Zulieferer bei, ein beachtlicher Input und ein ganz neuer Industriezweig für die strukturschwache Region. 4300 Mitarbeiter werken in Spartanburg, über 16.000 Arbeitsplätze wurden inklusive Zulieferern in South Carolina geschaffen. Vorteil für BMW: Man braucht sich nicht, wie die Hersteller in Detroit, mit den mächtigen Gewerkschaften rumzuschlagen. Außerdem liegt der Lohnkostenvorteil gegenüber Deutschland bei 27 bis 30 Prozent.

Erst ein Drittel des Areals wird genützt. Das gibt Fantasie für weitere Ausbaupläne, über die sich BMW aber beharrlich ausschweigt. Eines nur sei fix, so Leube: "Es ist nicht daran gedacht, den X3 außerhalb von Graz zu bauen." Was sich abzeichnet, ist ein viel größeres Interesse der Amis am kleinen Bruder des exklusiv in Spartanburg gebauten X5, als zunächst angenommen, auch ohne Schwarzenegger-Bonus. Österreich profitiert also vom BMW-Boom in USA, und das betrifft auch das Motorenwerk Steyr: 100.000 Diesel- und Benzinmotoren der jährlich über 500.000 produzierten werden in die in Spartanburg gefertigten Modelle X5 und Z4 verbaut, 30 bis 40 Prozent davon saugt der US-Markt auf, der Rest geht in alle Welt.

Größter Einzelmarkt

Wie wichtig Amerika für BMW mittlerweile ist, zeigen die Zahlen: Die USA sind seit heuer, vor Deutschland, der größte Einzelmarkt, gut ein Viertel der Jahresproduktion (rund eine Million Fahrzeuge) werden dort verkauft. Auch der Mini-Absatz schnalzt rauf: Im ersten Jahr wurden statt der forsch angepeilten 20.000 gleich 35.000 verkauft, und dies, obwohl drüben nach gängiger Lesart gar kein Markt für Kleinwagen existiert.

Rasant hat sich auch Spartanburg entwickelt: BMW wagte sich Anfang der 90er-Jahre als erster Europäer nach der VW-Pleite nach Amerika. Damals fuhr Japan groß auf, den Deutschen gab keiner mehr eine Chance. Leube: "Wir starteten aus aussichtsloser Situation." 1992 wurden grade mal 50.000 BMWs abgesetzt, derzeit sind es 250.000, Mittelfrist-Ziel: 300.000. 1994 waren die Kapazitäten in Spartanburg auf 50.000 Autos ausgelegt, offiziell sind's derzeit 150.000, inoffiziell schon 170.000. Anders als japanische Werke produziert Spartanburg nicht nur für die USA, sondern für die Weltmärkte.

Händler investieren

Groß investiert wurde auch in das Händlernetz, dem BMW einen Gutteil des Erfolgs zuschreibt. 340 Händler gibt's insgesamt, 70 für Mini (exklusiv sowie kombiniert), weitere 327 sind autorisiert, BMWs zu verkaufen. Allein heuer steckten Händler 300 Mio. Dollar in ihre Niederlassungen. Auf dem US-Markt matcht man sich mit Lexus und Mercedes um die Nummer eins im Luxussegment, und man rechnet sich gute Chancen aus, Lexus mit der Einführung des X3 den Rang abzulaufen. Number one made in Austria, sozusagen. (DER STANDARD Printausgabe, 17.10.2003)

Andreas Stockinger aus Spartanburg
  • In Spartanburg wurde die Produktion des neuen Roadsters Z4 in nur drei Monaten hochgefahren - rekordverdächtig
    foto: werk

    In Spartanburg wurde die Produktion des neuen Roadsters Z4 in nur drei Monaten hochgefahren - rekordverdächtig

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