Handel jubelt über lange Einkaufsabende

22. Oktober 2003, 11:14
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"Es gibt Zuwächse", behaupten die Chefs der großen Handels- Unternehmen - Dennoch wünscht man sich eine bundesweite Regelung

"Es gibt Umsatzzuwächse", behaupten die Chefs großer filialisierter Handelsunternehmen über die Effekte der jüngsten sanften Ladenschlussliberalisierung in Österreich. Dennoch wünscht man sich weiterhin eine bundesweit einheitliche Regelung.

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Wien – "Fünfzig bis hundert Prozent Plus haben wir noch mit keiner einzigen Aktion im Handel zusammengebracht", sagt Martin Zieger, Österreichchef der Schweizer Textilhandelskette Charles Vögele. Mit den langen Einkaufsabenden bis 21 Uhr sei dies vereinzelt aber gelungen, sagte das Präsidiumsmitglied des Österreichischen Handelsverbandes bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Der Handelsverband vertritt die Interessen der filialisierten Marktteilnehmer, also der größeren und mittleren Retailer.

Empirisch nicht gefestigt

Dies seien freilich noch keine empirisch gefestigten Zahlen, doch es gebe "erkennbare Umsatzzuwächse – trotz zahlreicher widersprüchlicher Aussagen", sagte Ferdinand Brenninkmeijer, hierzulande Geschäftsführer der deutschen Modekette C&A und Handelsverbandspräsident. Es sei zu erwarten, dass andere Tage an die "langen" Donnerstage und Freitage Umsätze abgeben werden, "denn der Kuchen wird ja nicht größer". Aber in der Konkurrenz um die heimischen Geldbörselinhalte könne man sich gegen Kino oder Gastronomie besser durchsetzen, wenn ein entsprechendes Umfeld – beispielsweise längere Öffnungszeiten – geschaffen werde.

Forderung nach weiterer Liberalisierung

Nach wie vor bestehen bleibt die Forderung nach einer weiteren Liberalisierung – etwa nach der Erlaubnis, an Samstagen wie in Deutschland bis 20 Uhr offen zu halten (derzeit: 18 Uhr). Auch eine bundeseinheitliche Lösung der Ladenschlussgesetze wird gewünscht. Derzeit gestattet nur Niederösterreich, an allen Wochentagen bis 21 Uhr offen zu halten – die Shopping City Süd in Vösendorf bei Wien hat schon nach dem Donnerstag auch den Freitag als "langen" Einkaufstag festgelegt. Verbandsvize und Humanic- Sprecher Stephan Mayer-Heinisch: "Wir hoffen, dass dies Auswirkungen dort hat, wo gerade Landtagswahlen stattgefunden haben."

Als Argument zitieren die Konzernvertreter eine Studie des Beratungsunternehmens Triconsult aus dem Frühjahr, wonach in Grenzregionen derzeit sieben Prozent der Kaufkraft ins Ausland abfließe.

KV-Verhandlungen

In der nächsten Woche starten die Kollektivvertragsverhandlungen für 500.000 Handelsangestellte. Der Handelsverband will den "Dschungel der Zuschläge" außerhalb der Normalarbeitszeit durchforsten. Die Gewerkschaft signalisiert Bereitschaft zur Vereinfachung, "wenn unterm Strich keine Verschlechterung für die Angestellten herauskommt", sagt Privatangestelltengewerkschafter Erich Reichelt zum STANDARD. (Leo Szemeliker, DER STANDARD Printausgabe, 17.10.2003)

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    Es gebe zwar "erkennbare Umsatzzuwächse" doch "der Kuchen wird nicht größer" - jetzt geht´s im Kampf um den Geldbörselinhalt also gegen Kino und Gastronomie

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