Tuchent für zwei

30. Oktober 2003, 13:57
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Gewiss, es ist unpraktisch, nur eine Tuchent zu benutzen. Vor allem, wenn man zu zweit lebt und Tisch und Bett zu teilen fest entschlossen ist

++PRO
Von Tanja Paar

Gewiss, es ist unpraktisch, nur eine Tuchent zu benutzen. Vor allem, wenn man zu zweit lebt und Tisch und Bett zu teilen fest entschlossen ist. Denn nach der Tuchfühlung der ersten Euphorie, die eine einzige, auch handtuchgroße Zudecke mehr als ausreichend erscheinen lässt, hat die Gewohnheit noch aus jedem Liebesknäuel wieder zwei Individuen herausgeschält. Und die brauchen ihren Schlaf. Und wollen bedeckt sein.

Also zieht das, was in uns ruhen will, stur und zielstrebig am Deckenzipfel weg vom ungebetenen Tuchentkompagnon, der ungebührlich viel des raren Stoffs an sich gerafft hat. Wie groß die Tuchent ist, tut dabei nichts zur Sache. Auch die Übergröße wird niemals ernsthaft beiden Schlafkandidaten gerecht, haben die sich erst einmal mit den Gesichtern von einander abgewandt. Denn nach der eingangs beschriebenen Phase eins im Leben einer Bettgemeinschaft, folgt bald die Phase zwei, in der im Schlaf nur noch die Pobacken einig unter einer Decke stecken.

Ist der Geist auch willig, einsichtig und um des lieben Friedens kompromissbereit: Das Fleisch ist schwach und will die Decke ganz für sich allein. Da friert es Zehen, Arme, Waden, alles, was sich nicht mit verschwört im Nahkampf mit der Konkurrenz. Eine Tuchent für zwei muss immer ungenügend bleiben.

Aber, so sagten kürzlich zwei, die sich schon lange lieben: Eine zweite Tuchent, das wär' für uns ein Trennungsgrund. Und das ist dumm. Aber romantisch. Sehr.

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--CONTRA
von Florian Holzer

Zahlreich sind die Gründe, die große Tuchent abzulehnen, wollen wir sie der Übersicht wegen in die Kategorie "generell" und in die Kategorie "persönlich" untergliedern. Da wären einmal die generellen Gründe: So wie der Sessel, der Tisch und das Bett machte auch die Tuchent sozusagen eine designmäßig evolutionäre Entwicklung durch. Man hatte irgendwann einmal die richtige Länge und irgendwann einmal die richtige Breite heraußen, dazu geeignet, einen durchschnittlich großen Menschen ausreichend zu bedecken, und derart dimensioniert, dass man sich auf der einen Seite ein bisschen in die Decke eingraben kann, das Kreuz auf der anderen Seite aber immer noch nicht blank liegt. Und so soll es ja sein. Denn abgesehen davon, dass jeder Mensch ein gewisses Maß an Intimsphäre verdient - bei aller Liebe und so -, schafft die große Decke genau das nicht: Der Widerstand beim Umdrehen in der Nacht ist zu groß, das kuschelige Einwickeln unmöglich, da das den Beischläfer in seiner Ruhe stört, und wenn der eine die Decke lieber weiter oben hat und der andere sie lieber weiter unten, geht sowieso überhaupt nichts mehr. Souveränität muss an der Bettkante nicht abgegeben werden.

Bei den persönlichen Gründen wollen wir nicht allzu detailliert werden, raten kann ich nur, dass, wenn eine Frau sagt, dass Liebe ausschließlich unter einer großen Tuchent stattfinden könne, man das nicht unbedingt als Zusage verstehen und zum Kauf schreiten sollte. Das Ding braucht außerdem unheimlich viel Stauraum, und die für das Sonderformat angebotenen Bezüge sind nur als jämmerlich zu bezeichnen. (Der Standard/rondo/17/10/2003)

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