Ferienflieger Aero Lloyd abgestürzt

17. Oktober 2003, 18:36
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Überraschend Insolvenz angemeldet - Tausende Urlauber gestrandet - Passagiere müssen sich an Reiseveranstalter wenden

Frankfurt/Main - Zu wenig Reisende, zu viele Flugzeuge und dazu der harte Preiskampf am Himmel: Nach vielen internationalen Airlines hat es nun auch einen der größten deutschen Ferienflieger erwischt, die die Aero Lloyd mit Sitz im hessischen Oberursel musste heute Insolvenz anmelden. Die Kombination aus Konjunkturflaute, den Folgen der Terroranschläge am 11. September 2001 sowie des Irak-Krieges und der Lungenseuche Sars hatte zuvor schon die Swissair, United Airlines, US Airways und die französische Air Lib in die Insolvenz getrieben.

Tausende blieben auf Koffern sitzen

Die vor 24 Jahren gegründete und auf den Mittelmeerraum konzentrierte Aero Lloyd stellte heute um sechs Uhr Früh überraschend ihren Flugbetrieb ein und ließ tausende Urlauber auf ihren Koffern sitzen. Zur Beförderung von international etwa 8.500 Passagieren wurden Ersatzmaschinen eingesetzt. Aero Lloyd flog 21 Maschinen 60 Ziele in 13 Ländern an und beschäftigt 1.400 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr flogen rund 3,5 Mio. Passagiere mit der Fluggesellschaft.

Die Aero-Lloyd-Mehrheitsgesellschafterin und 66-Prozent-Eignerin Bayerische Landesbank wollte kein frisches Geld mehr in die Airline pumpen und lehnte ein Sanierungskonzept ab. Angesichts des Verdrängungskampfs der Freizeit-Fluglinien und Billigflieger und der hohen Überkapazitäten im Flugmarkt sei "ein Erfolg versprechendes Fortführungskonzept nicht realisierbar", so die BayernLB, die seit 1987 Kreditgeber von Aero Lloyd ist. Für das bestehende Engagement habe die Bank ausreichende Vorsorge getroffen, man erwarte keine zusätzlichen Wertberichtigungen.

275.000 Passagiere in Wien

Aero Lloyd hat heuer bis September rund 275.000 Passagiere von und nach Wien transportiert und 1.800 Starts und Landungen durchgeführt. Mit einem Anteil von 0,9 Prozent am gesamten Flugaufkommen liegt die Airline in Wien-Schwechat auf Platz 11. Der Flughafen Wien glaubt indes an einen Fortbestand der Aero Lloyd und ist "überzeugt", dass die Fluglinie nicht ganz vom Markt verschwinden werde. Mit einem Passagier-Minus durch die Insolvenz wird nicht gerechnet: "Die Kunden werden auf andere Airlines ausweichen", so Vorstandssprecher Herbert Kaufmann.

"Überrascht" von der Insolvenz zeigte sich Verkehrsbüro-Vorstand Norbert Draskovits, der ebenfalls einen Weiterbestand nicht ausschließt. Die Pleite der Aero Lloyd sei im Umfeld des deutschen Reisemarktes zu sehen, der sich im Vergleich zur österreichischen Touristik auf Grund der Reisekrise "deutlich schlechter" entwickelt habe. Für den Rücktransport jener österreichischen Urlauber, die mit der Aero Lloyd in den Urlaub geflogen sind, erwartet er angesichts der aktuellen Überkapazitäten an Flugzeugen im Markt keine größeren Probleme.

TUI und Thomas Cook bieten Ersatz

Die für Donnerstag geplanten Aero Lloyd-Flüge jener österreichischen Kunden, die bei den Reiseveranstaltern Thomas Cook und World of TUI gebucht haben, wurden indes durch Ersatzmaschinen gesichert. Für mögliche Schadenersatzansprüche gibt es in Österreich zwei Varianten: Pauschalreisende können sich einen Reiseveranstalter - wie TUI, Thomas Cook oder ITS Billa Reisen - wenden, der für den vertragskonformen Transport sorgen und entsprechende Ersatzflüge organisieren müsse.

Bei extremen Verspätungen können auch Preisminderungsansprüche geltend gemacht werden. Schadenersatzansprüche gegen den Reiseveranstalter hingegen setzen ein Verschulden des Veranstalters oder seiner Leistungsträger voraus. Direktbucher-Kunden müssen sich hingegen im Rahmen des Insolvenzverfahrens an den Insolvenzverwalter richten. Diese Passagiere müssten dann selbst für Umbuchungen sorgen.

Im Fall eines Konkurses der Aero Lloyd sind die bezahlten Gelder von Aero Lloyd-Kunden laut ÖAMTC rechtlich nicht gesichert, da Aero Lloyd nicht im österreichischen Reiseveranstalter-Verzeichnis eingetragen ist. Daher sei auch die Reisebüro-Sicherungsverordnung, die dem Schutz des Kundengeldes bei Konkurs des Reiseveranstalters dient, nicht anwendbar. (APA/AP)

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Aero Lloyd

Stichwort

Die Fluggesellschaft Aero Lloyd

Service

Für von der Aero Lloyd-Pleite betroffene TUI-Kunden gibt es in Österreich die Hotline 01-98 142-140, für Thomas Cook-Passagiere die Nummer 01-502 02-111. Für Kunden der ITS Billa Reisen steht die Hotline 580 990 bereit. Kunden des Verkehrsbüros können sich an die jeweiligen Reisebüro-Filialen wenden

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    Tausende Urlauber müssen um ihre Heimreise bangen

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