Wie viele YLine-Aktien besaß Grasser wirklich?

19. Oktober 2003, 20:11
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Minister dementiert neue YLine-Spekulation

Wien – "Das war mein gesamter YLine-Besitz. Dem ist nichts hinzuzufügen. Da gab es auch keine Treuhandlösung oder sonst was." Finanzminister Karl-Heinz Grasser wehrt sich gegen das hartnäckige Gerücht, er habe möglicherweise wesentlich mehr Aktien der in die Pleite geschlitterten Internetcompany YLine besessen, als er jetzt dem Unvereinbarkeitsausschuss gemeldet hat.

Kolportiert wird von Firmenkennern, dass einige Monate vor dem YLine-Börsengang im Oktober 1999, Aktien an "befreundete" Investoren zu sehr günstigen Preisen oder überhaupt gratis "verteilt" wurden. Darunter, so wird gemunkelt, Kurzzeit-FP-Chef Mathias Reichhold und Grasser. Reichhold war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Grasser bleibt dabei, er habe erst im November 1999 insgesamt 295 Stück YLine- Aktien gekauft und im Dezember 2000 mit einem Gewinn von 4765 Euro verkauft und korrekt versteuert.

Der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz glaubt Grasser nichts mehr. Pilz fordert, dass der Finanzminister jede einzelne Aktie meldet, die er in seiner Amtszeit besessen hat. Grasser solle eine Dokumentation seiner "Tätigkeit als Spekulant" liefern, keine Momentaufnahme.

Grassers Verbindung zu YLine ist für seine Gegner höchst interessant: Zum einen bestanden etwa über den seinerzeitigen Haider-Intimus und YLine-Aufsichtsratspräsident Ernst Hofmann enge Kontakte zur FPÖ. Die YLine- Tochter FirstInEx bastelte an der KHG-Homepage und am Webauftritt des Finanzministeriums. Drittens wird gegen die Exführungsmannschaft von YLine wegen diverser, auch strafrechtlich relevanter Delikte ermittelt.

Bewährte Bande

Die Kontakte zwischen Y- Line und FPÖ reichen bis in die Zeit zurück, als Grasser von seinem Posten als Kärntner Landesrat für Tourismus (1994–98) zurücktrat und zu Magna wechselte. Sein Nachfolger Karl Pfeifenberger brachte YLine als Retter eines Projektes ins Spiel, welches unter Grasser begonnen wurde. Damals stellte die Kärntner Tourismus Gesellschaft (KTG) mit den Partnerfirmen APC und Styria zehn "Informatoren" auf, von deren Bildschirm etwa Tourismus-Infos abgerufen werden konnten.

Das Projekt wurde zunächst vom Land gefördert. Als es ausgebaut werden sollte, stellte Kärnten die Förderung ein, und die KTG hatte die Möglichkeit, entweder einen Partner für den Ausbau zu finden oder auszusteigen. Hier kam YLine ins Spiel, die vor dem Börsengang stand und die Informatoren der KTG abkaufte, wobei sie sich verpflichtete, über das Nachfolgesystem weiter Tourismusinhalte zu verbreitern. Dazu kam es nicht, die aufgestellten Geräte wurden von Y-Line nachlässig gewartet, und auf das landesweite Informationsnetzwerk wartet Kärnten bis heute.

Die ÖVP geht indes zum Gegenangriff über. SP-Budgetsprecher Matznetter solle seine YLine-Rolle samt allen Aktienbeteiligungen offen legen. Dieser erklärte: Seine Steuerberatungskanzlei hatte lediglich die Durchführung der YLine-Lohnverrechnung über, er selbst hätte nie YLine- Aktien besessen. (miba, kob/DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2003)

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