AUA droht nun mit Entlassungen

14. Oktober 2003, 23:40
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Die teure Austrian-Crew zwinge den Vorstand zum Handeln, sagt AUA-Chef Sörensen und hält am Einsparungsrahmen fest

Wien - AUA-Chef Vagn Sörensen nahm am Dienstag das Angebot der Sozialpartner an, im Konflikt mit den Piloten zu vermitteln. Genützt hat das vorläufig freilich wenig: Das Bordpersonal wird Mittwoch Früh erneut streiken.

Sörensen hatte zuvor erklärt, am geplanten Einsparungsrahmen von jährlich 30 bis 40 Mio. Euro festzuhalten. Er sah aber einen Verhandlungsspielraum bei Bewertungsfragen und im Umsetzungszeitraum. Voraussetzung für weitere Gespräche seien aber die sofortige Einstellung "von Streik- und Störaktionen", betonte Sörsensen. Für Bord-Betriebsratschef Rudolf Nowak war das alles nichts Neues und änderte nichts an den Fakten. Eine neue Qualität hätte lediglich die "Androhung von Entlassungen".

Verwarnung für streikende Piloten

Denn anders als Sörensen, der am Wochenende Entlassungen in Abrede stellte, kündigte Vorstand Walter Bock am Dienstag "disziplinäre Maßnahmen bis hin zur Entlassung" an. Die AUA bestätigte, 25 Piloten, die am vergangenen Samstag streikten, und weiteren neun Piloten, die eine AUA-Maschine am Abflug hinderten, eine Verwarnung zugestellt zu haben. Dass es tatsächlich zu Entlassungen kommt, wird bezweifelt. "Die sägen doch nicht am eigenen Ast, denn wenn es dazu käme, stünden 50 Maschinen am Boden", sagte ein Pilot zum STANDARD.

Sörensen bekräftigte, dass "ein Turnaround notwendig sei, um das Unternehmen zu sanieren". 250 Mio. Euro seien bereits eingespart worden. Laut Finanzchef Thomas Kleibl entfallen von 400 Mio. Euro Personalkosten 90 Mio. auf das AUA-Cockpit. Auf der Langstrecke fliege eine Lauda-Air-Maschine im Jahr um 1,3 Mio. Euro günstiger als ein AUA-Jet. Wie berichtet hält die AUA trotz Streiks an ihrer Prognose fest, heuer ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. Ohne den Streik wäre man "marginal im Plus", so Kleibl.

Keine Neuaufnahmen

Sollte es mit dem fliegenden Personal zu keiner Einigung kommen, gebe es ab Jänner 2004 Verlagerungen von Austrian-Piloten zur Lauda Air und Austrian Arrows. Die Piloten würden bei der AUA abgefertigt und ihr höheres Gehalt würde eingefroren, bis sie das der Schwesterunternehmen erreicht hätten. Bei Austrian werde es künftig zu keinen Neuaufnahmen von Piloten mehr kommen, sagte Vorstand Josef Burger. Bei Personalüberhang würde den AUA-Piloten für drei Jahre die weitere Beschäftigung bei Austrian Arrows und Lauda Air garantiert, allerdings nur, wenn die Zustimmung zu einem Kurzarbeitszeitmodell im Krisenfall erfolge.

Geplant sei auch, die Zahl der Flugzeugtypen zu harmonisieren. "Das Problem der AUA ist diese Schmetterlingssammlung", so Sörensen. Statt der derzeit neun MD-80-Flieger sollen sieben A319-Flieger zum Einsatz kommen. Vier Fokker-70-Maschinen werden samt 40 Piloten von AUA zu Arrows verlagert. Ab 2005 sollen zwei Langstreckenflieger mit 50 Piloten zur Lauda Air wandern.

Den Vorwurf der teuren Typenvielfalt richten die Piloten jedoch an das Management. Denn dieses habe die defizitäre Lauda Air mit ihrer Boeing-Flotte übernommen. (Claudia Ruff, DER STANDARD Printausgabe, 15.10.2003)

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