"Supermacht Mann"

31. Oktober 2003, 16:04
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Männlichkeitswahn und Faustrecht als Mittel der internationalen Politik - "oder das Ende der Vernunft"

Die Großmacht USA hat Krieg geführt, über die Weltmeinung hinweg. Das Faustrecht als Mittel der internationalen Politik hat somit auch ins dritte Jahrtausend Eingang gefunden. Fünf Jahre zuvor hatte der amerikanische Zukunftsforscher Francis Fukuyama - vieldiskutiert - prognostiziert, dass die moderne Welt immer weniger zu "militärischen Interventionen" bereit sei - weil Frauen wachsenden Einfluss hätten.

Der kriegerische Mann (vom Mars), die friedliebende Frau (von der Venus). Mit zahlreichen zu hinterfragenden Klischees eröffnen die Sozialwissenschafterinnen und Bestsellerautorinnen Cheryl Benard und Edit Schlaffer die Suche nach dem "Männlichkeitswahn", "tatenlosen Frauen" und möglichen Gegenstrategien. Sie gehen auf die Terroranschläge 9-11 und den Irakkrieg ein, suchen in der Geschichte und bei DenkerInnen unserer Zeit nach möglichen Antworten, stellen unterschiedliche Thesen vor.

Bildung

Anhand zahlreicher weltweiter Beispiele aus dem Bildungsbereich, wo die Burschen von Mädchen inzwischen oft überholt werden, prüfen sie die These der Veränderung: Frauen müssen können, sie müssen wollen - und sie müssen gelassen werden. Die These hält stand, auch nach dem Interview mit Benazir Bhutto, der pakistanischen Staatsfrau, die das Volk hinter sich hatte und "dieses immense Startkapital leichtsinnig verschleudert hat". Sie wollte offenbar nicht genug.

Zunehmend mehr Männer und Frauen wollen Frieden. Aber Männer seien doch vom Krieg fasziniert. Männern darf die Emanzipation nicht zu schnell gehen. Zu erfolgreiche Frauen könnten allein dastehen ... Bei Schülern und Schülerinnen machen die Autorinnen via Interviews den "Realitätscheck" zu diesen und anderen oftmals aufgestellten Theorien. Die junge Generation scheint in Veränderung begriffen. Mädchen sind sich ihrer selbst bewusst, demontieren vorsichtig Blockaden und Verlangsamungen. Bildung und damit finanzielle Unabhängigkeit gilt ihnen als wichtiger Bestandteil des Lebenskonzeptes, weshalb sie sich mehr anstrengen. Die Burschen gestehen den Mädchen, doch zögerlich, ihren Platz zu - manchmal mit der Frage, wie weit die Unabhängigkeit gehen soll; und doch auch mit durchblitzender Zuversicht, auf den männlichen gesellschaftlichen Vorsprung bauen zu können, wenn es nötig sein sollte. Veränderung also, aber langsame.

Einfluss

Das Buch "Supermacht Mann oder Das Ende der Vernunft" führt interessante Fakten zusammen. Menschen können, werden zum Teil gelassen ... und müssen vor allem wollen. Wer unzufrieden ist, muss etwas unternehmen. Benard und Schlaffer rufen dazu auf, Einfluss auf eine Situation zu nehmen, indem wir zu Mitmachenden werden - und damit Macht und Einfluss gewinnen. Macht zur Veränderung - durch "die Kraft von Männern und die Umsicht von Frauen". Der biologistische Ansatz zieht sich provokativ durch das Buch und birgt damit Diskussion, Umdenken und vielleicht auch Veränderung. (dy)

Cheryl Benard / Edit Schlaffer.
Supermacht Mann oder Das Ende der Vernunft.

Verlag Ueberreuter, Wien 2003.
17,95 Euro / 175 S.
ISBN 3-8000-3998-2

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