Dialyse erst nach Mitternacht

14. Oktober 2003, 20:18
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Grüne befürchten Engpass, Versorgung sicher laut Spitalsdirektion

Erst nach Mitternacht können manche Patienten ins AKH kommen, um eine für sie lebensnotwendige Dialyse, also Blutwaschung, vornehmen zu lassen.

Da es teilweise zu Engpässen in der Versorgung komme, müssten neben den üblichen bis zu drei Schichten im Tagbetrieb auch Nachtschichten eingerichtet werden. Das ist ein von den Grünen kritisierter Umstand, den Krankenanstaltendirektor Ludwig Kaspar gar nicht bestreitet. "Die vierte Schicht sei für Patienten unangenehm und unvorteilhaft", sagt er. Engpässe ergeben sich in der Wiener Versorgung, weil rund zehn Prozent aller Dialysepatienten aus Niederösterreich kämen. Sie müssten aus dem Umland kommend in Wien versorgt werden, weil ihnen längere Anfahrtswege in niederösterreichische Spitäler nicht zugemutet werden könnten.

Situation werde sich noch verschlimmern

Grünen-Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz glaubt, dass sich die Situation noch verschlimmern wird, weil die Menschen immer älter würden, daher auch mehr Dialysepatienten zu erwarten seien. Sie präsentierte in einer Pressekonferenz einen Aktenvermerk aus dem AKH, in dem Kaspar und Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann darauf aufmerksam gemacht worden seien, dass "die Kapazitäten des AKH völlig ausgeschöpft" seien. Patienten würden daher zu spät zur Blutwäsche kommen. Dialyseplätze seien in allen Wiener Spitälern zu 100 Prozent im Dauerbetrieb, somit könnten Akutfälle nicht betreut werden, malt Pilz ein düsteres Bild.

Über hundert Plätze

In Wien gibt es mehr als 100 Plätze, an denen Dialysen durchgeführt werden, 86 befinden sich in Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbunds, der Rest in Privat- und Ordensspitälern. Im November geht die neue Dialysestation im Kaiser-Franz-Josef-Spital in Betrieb, bis 2004 werden in dem Spital zwölf Plätze für 72 Patienten vorhanden sein, erklärt Spitalschef Kaspar. Pilz meint, dass dort verfügbare Arbeitsplätze nicht besetzt seien.

Überhaupt mangelt es an Pflegepersonal in Spitälern und Heimen. Es gibt derzeit 140 offene Dienstposten alleine in den Geriatriezentren.

Die Diskussion über unbesetzte, aber im Magistratsdienst sichere Arbeitsplätze für Pflegekräfte begann, als Pflegemissstände im Geriatriezentrum "Am Wienerwald" bekannt wurden. Vorerst werden, um den Personalmangel zu lindern, 100 Abteilungshelferinnen umgeschult. Sie sollen zu Pflegehelferinnen werden, die dann leichtere Dienste an Patienten durchführen können. Drei Ausbildungslehrgänge starten in den nächsten Monaten. Das Problem: Während der Ausbildung sind die Fortbildungswilligen nicht am Arbeitsplatz, was kurzfristig neuerlich Probleme schafft. (aw/dER STANDARD; Printausgabe, 14.10.2003)

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