Fundamentalisten verurteilen Nobelpreis für Ebadi

12. Oktober 2003, 13:11
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Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes - Reformer begrüßen Entscheidung des Nobelkomitees

Teheran - Fundamentalisten im Iran haben die Verleihung des Friedensnobelpreises an die iranische Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi als Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes verurteilt. Reformer lobten dagegen am Samstag die Entscheidung des Nobelkomitees, den Preis in diesem Jahr erstmals an eine Muslimin zu vergeben.

Der Nobelpreis für Ebadi mache das Land stolz und gebe den Reformen neuen Antrieb, sagte der reformorientierte Geistliche Naser Kawami. "Als gewählter Abgeordneter danke ich dem Nobelkomitee für seine richtige Wahl. Ebadi verdient die Auszeichnung für ihren tapferen Einsatz für die Menschenrechte", sagte er.

Widerspruch zu Idealen

Dagegen erklärte der ehemalige Abgeordnete Hamid Resa Taraki, der Nobelpreis unterstütze säkulare Bewegungen und stehe im Widerspruch zu den Idealen der Islamischen Revolution von 1979. Das Norwegische Nobelkomitee sei von seinem ursprünglichen Ziel abgewichen, den Frieden zu fördern. Es sei jetzt ein politisches Werkzeug in der Hand von Ausländern, die sich in die Belange des Iran einmischen wollten, erklärte Taraki weiter.

Die staatlichen Medien hatten am Freitag nur zögerlich und mit mehrstündiger Verspätung über die Verleihung des Nobelpreises berichtet. Die reformorientierten Zeitungen berichteten am Samstag auf der Titelseite über Ebadi, die regierungsnahen Blätter ignorierten sie weitgehend. Die fundamentalistische "Sijasat-e-Rus" nahm einen Bericht über die Entdeckung eines Friedhofs aus der Eisenzeit in Spanien auf die Titelseite. Die "Jodhuri-e-Eslami" berichtet auf Seite zwei kurz über das Ereignis unter der Überschrift: "Westen gibt Ebadi Friedensnobelpreis".

In ihrem Engagement insbesondere für Frauen und Kinder habe sich Ebadi auch von Drohungen nicht erpressen lassen, erklärte das Nobelkomitee am Freitag in seiner Würdigung. Ebadi betonte bei einer Pressekonferenz, nach ihrer Ansicht gebe es keinen Unterschied zwischen dem Islam und den Menschenrechten. Daher sollten auch Vertreter der Religion den Preis begrüßen, erklärte sie. "Der Preis bedeutet, dass man ein Muslim sein und gleichzeitig Menschenrechte haben kann." Die 56-jährige Juristin forderte nach der Entscheidung des Nobelkomitees die sofortige Freilassung von politischen Gefangenen, die wegen Meinungsäußerungen inhaftiert sind. (APA/AP)

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