Bücherspenden für irakische Bibliotheken

12. Oktober 2003, 14:26
3 Postings

Zerstörte Buchbestände sollenmit deutscher Hilfe wieder angeschafft werden

Frankfurt am Main - Vierzehn der zwanzig Universitäten des Irak verloren infolge des Krieges nahezu ihre gesamten Buchbestände. Plünderungen, Brände, die Zerstörung der Gebäude beraubten sie ihrer oft in jahrzehntelanger mühsamer Arbeit aufgebauten Bibliotheken. Hier Abhilfe zu schaffen hofft die eben gegründete Initiative "Bücher für den Irak", die die Buchmesse für einen ersten Gang an die Öffentlichkeit nutzte. Das langfristige Ziel der Aktion sei der Aufbau von Verlagsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Irak, so Guy Féaux de la Croix, für kulturelle Belange zuständiger Staatssekretär im Auswärtigen Amt in Berlin, dem deutschen Außenministerium, und Gründer der Initiative, an der neben dem Auswärtigen Amt zahlreiche weitere Institutionen, etwa das Goethe-Institut und die Buchmesse, sich beteiligen.

Lange Isolationsphase Vorerst allerdings beschränkt man sich auf ein konkretes Projekt: Das germanistische Institut der Universität Bagdad, das gleichfalls seinen gesamten Bücherbestand verlor, soll 10.000 Bände erhalten, Literatur – mit einem Schwerpunkt auf deutscher Nachkriegsliteratur – ebenso wie literaturwissenschaftliche Kompendien. Selbst ohne den Verlust der Bibliothek, so Prof. Fuad Mohammed, Leiter des Instituts, habe man einen großen Nachholbedarf an Gegenwartsliteratur und an Lehrmitteln. 35 Jahre lang lebte das Institut weit gehend isoliert, Bücher wurden allenfalls illegal ins Land geschmuggelt – etwa von Mitarbeitern des Archäologischen Instituts, einer Unterabteilung des Auswärtigen Amts.

"Ethisch-moralische Verpflichtung"

Die Zusammenstellung der Werke besorgt nun das Goethe-Institut, ein Spezialist in Sachen Bibliothekswesen. Die Bücher selbst sollen von deutschen Verlagen zur Verfügung gestellt werden, wobei Guy Féaux de la Croix auf die "ethisch-moralische Verpflichtung" hinweist, "die sich aus der deutschen Geschichte herleitet". Dass die Aktion nur ein Anfang sein kann, ist allen Beteiligten wohl bewusst, denn auch in irakischen Schulen und Kindergärten fehlen Bücher: die papierzarten Grundsteine für den Aufbau einer funktionierenden Zivilgesellschaft im Irak. (DER STANDARD,Printausgabe, 11./12.10.2003)

Von Cornelia Niedermeier
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Durch die internationale Isolation waren Bücher im Irak schon vor dem Krieg Mangelware. Infolge des Krieges verloren vierzehn der zwanzig Universitäten des Irak nahezu ihre gesamten Buchbestände.

Share if you care.