"La Boheme", die letzte Oper unter Hochstraate

14. Oktober 2003, 20:02
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Premiere in Salzburg am kommenden Mittwoch

Salzburg - Die Premiere der letzten Opernproduktion der Intendanz Lutz Hochstraate im Großen Festspielhaus und zugleich die jährliche Gemeinschaftsproduktion von Salzburger Kulturvereinigung und Landestheater steht vor der Tür. Kommenden Mittwoch (15.10.) wird sich der Vorhang heben für Giacomo Puccinis "La Boheme". Es ist dies der Versuch von Bruno Berger-Gorsky, ein Stück vor 16 Jahre altem Bühnenbild und in ebenso alten Kostümen neu und teilweise modern zu inszenieren. Musikalischer Leiter ist Lukas Karytinos, im Orchestergraben wird das Mozarteum Orchester Platz nehmen.

Verbunden durch die gemeinsame Budgetknappheit haben sich Kulturvereinigung und Landestheater entschlossen, das Bühnenbild und die Kostüme von Michael Scott aus dem Jahr 1987 vom Staatstheater Karlsruhe zu übernehmen. Zugleich wurde mit Berger-Gorsky ein bekennender Vertreter des Regietheaters mit der Bearbeitung des 16 Jahre alten Regiekonzeptes von Gian-Carlo Del Monaco beauftragt.

"Mir liegt nichts an der oberflächlichen, nordamerikanischen Art der Oper"

Berger-Gorsky stellte klar, dass er das Del-Monaco-Konzept nur andeutungsweise verwenden wird: "Ich reproduziere nicht einfach, mir liegt nichts an der oberflächlichen, nordamerikanischen Art der Oper. Ich versuche, vor allem die Figur der Mimi neu zu bewerten. Ich befreie sie von Kitsch und Verklärung und zeige sie nicht mädchenhaft rein, sondern als starke Frau mit Initiative, die - weil sie Geld braucht - mit reichen Männern schläft", erläuterte der deutsch-polnische Regisseur im APA-Interview.

"Meine Boheme spielt im Hier und Heute, denn arbeitslose, zum Beispiels aidskranke Künstler, die die Miete nicht zahlen können, sind leider ein zeitloses Phänomen. Stellen Sie sich ein süchtiges Mädchen auf dem Karlsplatz in Wien vor, das ist die Mimi von heute. Aber ich habe versucht, diese Ideen behutsam und respektvoll einfließen zu lassen", sagte Berger-Gorsky.

Die weiblichen Hauptrollen sind mit der frisch gebackenen Preisträgerin des "Queen Sonia-Gesangswettbewerbes" in Oslo, Olga Mykytenko (Mimi), und der in Salzburg seit der "Cosi"-Inszenierung von Christine Mielitz bekannten Christiane Boesiger (Musetta) besetzt. Den Rodolfo gibt Vicente Ombuena, ein laut Berger-Gorski außergewöhnlich intelligenter Tenor. Wolfgang Koch (Marcello), Andrew Murphy (Schaunard), Alex Esposito (Colline), Juan Carlos Navarro (Parpignol) und Josef Köstlinger (Benoit) vervollständigen das Solistenensemble. (APA)

Nach der Premiere wird La Boheme sechs weitere Male aufgeführt und zwar am 18., 20., 22., 25. und 27. Oktober sowie am 4. November. Karten unter 0662 / 845346 oder Fax: 0662 / 84 26 65 sowie unter 0662 / 871512 oder service@theater.co.at
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