Hoffnung auf Medimente gegen Prionen-Erkrankungen

15. Oktober 2003, 12:39
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"Große Fortschritte" bei Fachkongress vorgestellt

München - Prionen-Erkrankungen wie Creutzfeld-Jakob oder BSE könnten schon in naher Zukunft heilbar sein. Der amerikanische Nobelpreisträger Stanley Prusiner sagte am Donnerstag auf einem Fachkongress in München, bei der Entwicklung von Medikamenten gebe es große Fortschritte: "Ich bin sehr optimistisch, dass wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren Erfolg haben werden."

Einer seiner Mitarbeiter habe eine Substanz entdeckt, die Prionen aus dem Organismus herausschaffen könne, sagte Prusiner. Dass dies möglich ist, sei eine große Überraschung gewesen. In Zellkulturen und bei Mäusen habe das Prinzip bereits funktioniert.

Wie der Münchener Neuropathologe Hans Kretzschmar sagte, sterben in Deutschland jährlich rund 100 Menschen an Creutzfeld-Jacob. Noch seien Prionen-Erkrankungen nicht heilbar. Aber "es gibt Therapieansätze. Das ist das Wesentliche, was sich gegenüber den vergangenen Jahren geändert hat", sagte Kretzschmar.

Zucht-Versuche

Der Münchener Gentechniker Eckhard Wolf berichtete von Versuchen, BSE-resistente Rinder zu züchten. Experimente hätten gezeigt, dass zelluläres Prionen-Protein Voraussetzung für eine BSE-Erkrankung sei. Es gebe inzwischen einen Fötus, in dem kein zelluläres Prionen-Protein mehr vorhanden sei. "Wir hoffen, Ende nächsten Jahres das erste Kalb zu haben." Ob dieses Tier dann tatsächlich BSE-resistent sei, sei offen.

Der Zürcher Nobelpreisträger Kurt Wüthrich sagte, es gebe keinen Beweis, dass ungefaltetes Prionen-Protein toxisch sei. Seine Funktion im gesunden Organismus sei ebenfalls unbekannt. Kretschmar hob hervor, es sei noch niemandem gelungen, aus einem normalen ein infektiöses Prion zu machen. (APA/AP)

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