"Fellners können viel beitragen"

23. Oktober 2003, 20:39
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WAZ-Manager Hombach bestätigt im STANDARD- Interview Kontakte mit den News-Brüdern - Die Themen: WAZ-Magazine in Südosteuropa und Fellners Zeitungsüberlegungen

STANDARD: Wenn das von der WAZ angerufene Schiedsgericht entscheidet, dass Hans Dichand nicht mehr Geschäftsführer sein soll und sein Sohn Christoph als Chefredakteur ungeeignet ist: Wer soll die "Krone" führen?

Hombach: Es gab eine öffentliche Debatte im Übermaß, da will ich nicht noch Öl ins Feuer gießen. Im Kern geht es hier um eine zukunftsbezogene, für Blatt und Leser gute Führung. Gesichert ist: Wir werden nur österreichische Personallösungen vorschlagen. Es gibt hier sehr viele qualifizierte Journalisten - auch in der "Krone". Wir wollen keinerlei Anlass für den Vorwurf einer Teutonisierung geben.

STANDARD: Bevorzugen Sie eine Lösung aus dem Haus?

Hombach: Ich kenne persönlich noch nicht genug leitende Mitarbeiter der "Krone", um das final beantworten zu können. Aber ich höre, dass es auch dort gute Führungsreserven gibt. Ich weiß, dass es in Österreich Lösungen gäbe.

STANDARD: RTL-Manager Hans Mahr oder Wolfgang Fellner, bald Ex-News-Herausgeber?

Hombach: Ich kenne beide, aber es würde jeden, nicht nur die genannten, beschädigen, wenn ich in irgendeiner Weise Ihre Frage kommentiere.

STANDARD: Fellner soll Sie und WAZ-Chef Erich Schumann vorige Woche mit Bruder Helmuth besucht haben. Korrekt?

Hombach: Nicht ganz.

STANDARD: Nur einer kam?

Hombach: Den Aspekt meinte ich nicht. Ich kann nicht leugnen, dass ich im Gespräch mit den beiden war. Aber die "Krone" oder was Sie angesprochen haben, ist gar nicht gefallen. Damit keine Spekulationen ins Kraut schießen: Es ging um die Aufstellung unserer Magazine in Südosteuropa. Dazu zähle ich Österreich ausdrücklich nicht.

STANDARD: Es ging nicht um ihr Zeitungsprojekt?

Hombach: Bei diesem Gespräch nicht. Aber ich habe mich erkundigt, welche Überlegungen es dazu gibt. Das muss man, wenn man eine so wichtige Beteiligung in Ihrem Land hat. Und mich interessiert drängend, wie man auch junge Leute stärker an Printmedien, seien es Magazine oder Tageszeitungen, binden kann. Ich will nicht hinnehmen, dass junge Leute immer mehr zu Nichtlesern werden, wie wir es weltweit erleben.

STANDARD: Sie sind abgebogen von der Frage Fellners und Tageszeitungsprojekt.

Hombach: Ich kann und werde nicht über Absichten spekulieren, die andere haben. Uns interessiert ganz generell die Frage, wie wir die Überalterung unserer Abonnentenschaft vermeiden können, indem wir die Jungen stärker mitnehmen. Ein Thema, zu dem die Fellners durch ihre Erfahrung viel beitragen können. Sie sind dabei, den Markt zu analysieren. Das finde ich interessant, denn dabei bin ich auch. Was die Herrschaften planen, müssen sie Ihnen schon selber erläutern.

STANDARD: Möchten Sie die Gratiszeitung "U-Express" weiter betreiben?

Hombach: Wöchentliche Werbezeitschriften an die Haushalte gleichen zum Teil in unserem deutschen Verbreitungsgebiet Verluste der Tageszeitungen aus. Und sie bekommen zunehmend auch eine eigene publizistische Rolle. Der U-Express hat gewiss die Funktion, den Markt gegen mögliche Konkurrenten zu besetzen. Wie sich das Konzept weiter entwickelt, das wird Thema werden für jene, die solche Blätter führen.

STANDARD: Der "U-Express" war einer der Anhaltspunkte der WAZ, sich über sinkende Renditen der "Krone" zu beklagen. Wie zufrieden sind Sie mit "Krone", "Kurier" und News- Gruppe, wo die WAZ 20 Prozent Umsatzrendite erwartet?

Hombach: 20 Prozent in diesen Zeiten ist ein Ziel, das nicht durchgängig realisiert werden kann. Wir glauben aber daran, dass ein Verlag wirtschaftlich stark und unabhängig sein muss. Über schwierige betriebswirtschaftliche Daten rede ich auch mit Beteiligungen, mit denen wir keinen öffentlichen Streit haben. Aber angesichts der zugespitzten, teils sehr emotionalen Debatte hier werden selbst nüchterne betriebswirtschaftliche Analysen nicht mehr als sachliche Bemerkungen bewertet.

STANDARD: Aber ein Aufhänger im Streit um die "Krone" waren Renditen; der Gewinn sank von 60 auf 28 Millionen.

Hombach: Herr Dichand hat die Nachfolgefrage selbst aufgeworfen, nicht wir. Für uns lautet die Kernfrage, wie man unternehmerisch verantwortlich die Führung des Blattes und des Hauses aufstellt. Uns interessiert, wie in Zukunft die Qualität der "Krone" zu gewährleisten ist, um ihre publizistische Stellung zu behaupten. Wer sich jetzt nicht geänderten Ansprüchen anpasst, nicht betriebswirtschaftlich reagiert, der wird überrollt und von der Zukunft bestraft.

STANDARD: Hat die WAZ ihren Vertreter zum Schiedsgericht über die "Krone"-Führung nominiert? Angeblich den Linzer Handelsrechtsordinarius Martin Karollus.

Hombach: Noch haben wir keine Entscheidung getroffen.

STANDARD: Letzte Frage. Sie kennen wohl die Verträge der Brüder Fellner. Dürfen sie eine Tageszeitung machen, solange sie an News beteiligt sind?

Hombach: Ich bin nicht der Sprecher der Gebrüder Fellner. Selbst wenn ich die Verträge kenne würde - was Sie unterstellen, was aber nicht stimmt -, dann würde ich es nicht kommentieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2003)

Zur Person

Bodo Hombach, 51, war Kanzleramtsminister (SPD), EU-Balkankoordinator, wurde 2002 WAZ-Geschäftsführer. Die WAZ hält 50 Prozent an der "Krone". Den Anteil bewertet er mit 500 Mio. €.

Mit Bodo Hombach sprach Harald Fidler.

Spezial

Kronen Zeitung

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