"Erdrückende Überlegenheit" der USA

9. Oktober 2003, 15:20
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Bei Nobelpreisen vor allem in Wirtschaft und Naturwissenschaften

Stockholm - In den Nobel-Statistiken liegen die Amerikaner unaufholbar vorn: 277 der bisher 661 Nobelpreisträger kamen aus den USA. Dabei dominieren die US-Forscher in Wirtschaft und Naturwissenschaften mit großem Vorsprung. Als Literaten oder Friedensstifter schneiden sie in den Nobelpreis-Statistiken allerdings schlechter ab.

Von einer "erdrückenden Überlegenheit" der USA spricht Jonas Förare von der Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die alljährlich die Preisträger für Physik, Chemie und Wirtschaft auswählt. "Dies zeigt den Erfolg der amerikanischen Investitionen in die Hochschulen." Förare hat die Chancen des US-Forschungsangebots selbst genutzt: Der Biologe arbeitete als Postdoc an der University of New Mexico in Albuquerque.

US-Bundesstaat Illinois

Auffällig ist in diesem Jahr die starke Beteiligung von Forschern aus dem US-Bundesstaat Illinois - selbst der Literaturnobelpreisträger, der Südafrikaner John M. Coetzee, ist derzeit Dozent an der University of Chicago. Das gute Abschneiden der Wissenschafter aus Illinois sei ein hervorragender Beweis dafür, dass sich umfassende Investitionen in die akademischen Einrichtungen lohnten, erklärt Professor Charles F. Zukoski, der für die Forschung an der University of Illinois zuständig ist. "Damit wurde ein Umfeld geschaffen, in dem kreative Menschen kreative Dinge tun können", sagt Zukoski. "Das zeigt, dass die Bildungsinstitutionen in diesem Staat sehr stark sind."

Die Nobel-Komitees müssten sich immer wieder Vorwürfen stellen, dass sie sich nicht ausreichend bemühten, Preisträger von außerhalb der USA zu finden, berichtet Lars Calmfors, der dem Nobel-Ausschuss für Wirtschaft angehört. "Wir achten aber nicht darauf, wo die Leute herkommen", betont Calmfors. "Es ist einfach so, dass die besten amerikanischen Universitäten wirklich sehr gut sind und talentierte Forscher aus aller Welt anziehen."

"Ressourcen und Möglichkeiten"

Die Amerikaner hätten "die Ressourcen und Möglichkeiten, kompetenten Forschern hohe Gehälter zu zahlen", sagt Calmfors. Neben den 277 US-Preisträgern seit Beginn der Nobelpreisvergabe im Jahr 1901 - das sind 42 Prozent aller Empfänger - forschten auch viele andere der Geehrten an amerikanischen Universitäten.

Stifter Alfred Nobel hinterließ den Auswahlkomitees in Norwegen und Schweden klare Anweisungen, was die Herkunft der Preisträger anbelangt. "Es ist mein ausdrücklicher Wunsch, dass bei der Preisvergabe der Nationalität der Kandidaten keinerlei Bedeutung zugemessen wird", legte Nobel 1895 in seinem Testament fest. "Der Würdigste soll den Preis erhalten, ob es ein Skandinavier ist oder nicht." Die Ehrung solle alljährlich an denjenigen gehen, dessen Forschung im jeweiligen Bereich "der Menschheit den größten Nutzen gebracht" hat.

Frieden und Literatur

Den Friedenspreis setzte Nobel für diejenigen aus, die für die "Verbrüderung der Völker", für die Verringerung der Zahl der Soldaten oder für Friedenskongresse wirken. Von den 110 bisherigen Preisträgern waren 19 Amerikaner, zuletzt der frühere Präsident Jimmy Carter für seine Bemühungen um friedliche Lösungen in internationalen Konflikten.

Die wenigsten Erfolge feierten die Amerikaner bei der Vergabe des Literaturpreises. Lediglich elf der bisher 100 Geehrten kamen aus den USA. Als bislang letzte amerikanische Preisträgerin nahm die Schriftstellerin Toni Morrison vor zehn Jahren die Auszeichnung mit nach Hause. (APA/AP)

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