Microsoft im Konflikt mit den Kartellbehörden

14. Jänner 2000, 12:46

Konkurrenz und Wettbewerbshüter beobachten jeden Schritt

Hamburg - Die Microsoft Corp., der weltgrößte Hersteller von PC-Software, ist in den vergangenen Jahren immer wieder in Konflikt mit den Kartellbehörden geraten. Auch auf Grund der aggressiven Marktpolitik des Unternehmens beobachten Wettbewerbshüter jeden Schritt des Weltmarktführers aus Redmond (US-Bundesstaat Washington) besonders aufmerksam:

  • Juni 1990: Die Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC) überprüft Absprachen des Computergiganten IBM mit Microsoft.
  • August 1993: Das Justizministerium übernimmt von der FTC in einem ungewöhnlichen Schritt die Untersuchungen im Fall Microsoft.
  • Juli 1994: Microsoft erklärt sich nach einer Einigung mit dem Justizministerium bereit, seine Lizenzierungspraktiken zu ändern.
  • April 1995: Das Justizministerium verhindert mit einer Klage den Plan Microsofts, das Softwareunternehmen Intuit für 1,5 Mrd. Dollar (1,46 Mrd. Euro/20,1 Mrd. S) zu kaufen. Intuit ist der weltweit führende Hersteller von Finanzsoftware.
  • Juni 1995: Die geplante Verknüpfung des neuen Online-Dienstes Microsoft Network (MSN) mit dem Betriebssystem "Windows 95" wird überprüft.
  • August 1995: Das Justizministerium weitet seine Untersuchung auf die geplante Verknüpfung des Browsers "Internet Explorer" und "Windows 95" aus. Nach monatelangem juristischem Streit wird die Einigung über die Lizenzierungspraktiken vom Juli 1994 doch noch für gültig erklärt. Der ursprüngliche Kartellstreit scheint beigelegt.
  • August 1996: Die Netscape Communications Corp., mit ihrem "Navigator" weltweiter Marktführer beim Absatz von Browsern, bittet das Justizministerium um Unterstützung. Netscape wirft Microsoft vor, seine Marktdominanz unerlaubt einzusetzen.
  • August 1997: Nach der Übernahme von Web TV durch Microsoft leitet das Justizministerium Untersuchungen der jüngsten Investitionen des Unternehmens im Live-Video-Bereich ein. Auch die 150 Mill. Dollar-Beteiligung am Computerhersteller Apple wird überprüft.
  • Oktober 1997: Die Einbindung des "Internet Explorers" bei der Softwareabgabe an Computerhersteller ruft die US-Bundesstaaten auf den Plan. Mehrere Oberstaatsanwälte - darunter die von Kalifornien, New York, Texas und Massachusetts - leiten Untersuchungen ein. Auch die Europäische Kommission überprüft Microsofts Marktpraktiken.
  • 20. Oktober 1997: Das Justizministerium erklärt die Bündelung des "Internet Explorers" mit dem Betriebssystem "Windows 95" bei der Softwareabgabe an Computerhersteller für unzulässig. Microsoft verstoße mit seinen Lizenzierungspraktiken gegen einen kartellrechtlichen Gerichtsbeschluss aus dem Jahre 1995. Bei einem Bundesgericht beantragt das Justizministerium eine Strafe im Falle der Zuwiderhandlung von einer Million Dollar pro Tag.
  • 11. Dezember 1997: Bundesrichter Thomas P. Jackson verlangt von Microsoft, die Zwangsbündelung von "Windows 95" und "Internet Explorer" aufzuheben. - 22. Jänner 1998: Microsoft kommt dem Urteil von Richter Jackson vom 11. Dezember nach.
  • 23. Juli 1998: Die Computerkonzerne IBM und Oracle beklagen, dass Microsoft unfaire Geschäftsmethoden anwendet.
  • 19. Oktober 1998: Beginn des Kartellverfahrens gegen Microsoft vor dem Barrett Prettyman Courthouse in Washington, D.C. Ein rechtskräftiges Urteil könnte noch Jahre auf sich warten lassen. Im Falle einer Verurteilung könnte Microsoft zerteilt werden.
  • November 1999: Ein Gericht bescheinigt Microsoft "räuberische Taktiken" im Umgang mit Konkurrenten. Microsoft setze seine überwältigende Marktmacht und seine immensen Gewinne ein, um jeder Firma zu schaden, die Produkte entwickelt, die den Wettbewerb gegen eines der Kernprodukte von Microsoft verschärfen könnten.
  • 11. Jänner 2000: Microsoft legt seinen 1,6-Mrd.-Dollar-Streit mit dem Softwarehersteller Caldera um das Betriebssystem DOS außergerichtlich bei. Caldera hatte Microsoft vorgeworfen, Ende der 80er Jahre in Windows 3.1 einen vorgetäuschten Fehler eingebaut zu haben, der beim Einsatz des Caldera-Betriebssystems DR DOS zu einer Fehlermeldung führte.
(APA/dpa)
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