Fremde DNA in isolierte Mais-Mitochondrien eingeschleust

12. Oktober 2003, 19:49
posten

Bisherige Schwierigkeiten konnten umgangen werden

Kiel - Molekularbiologen der Christian-Albrechts-Universität in Kiel ist es erstmals gelungen, fremde DNA in isolierte Mais-Mitochondrien einzubringen. Frank Kempken, Professor für botanische Genetik und Molekularbiologie am Botanischen Institut der Universität, und sein Doktorand Matthias Staudinger wollen so schrittweise verfolgen, welche Prozesse sich dabei abspielen. Dass fremde DNA in Zellkerne eingebracht werden, ist nicht neu in der Genetik. Doch bei Mitochondrien war dies bisher bei Pflanzen und Tieren nicht möglich. Durch die jetzt etablierte Methode wird diese Schwierigkeit umgangen, heißt es in einer Mitteilung der Universität.

Bei dem Experimentalsystem werden die Mitochondrien zuerst aus Maispflanzen entfernt. Dann erhalten sie einen Stromstoß, wodurch Löcher in der Doppelmembran der Mitochondrien entstehen. Jetzt ist es möglich, die DNA einer fremden Pflanze oder eines Bakteriums einzubringen und zu beobachten, was in den darauffolgenden Stunden bzw. ein bis zwei Tagen passiert. Die Wissenschaftler bringen sowohl ursprüngliche DNA ein als auch von ihnen veränderte, die sich im Informationsgehalt unterscheidet. Von Interesse sind die dadurch stattfindenden biochemischen Prozesse in den Mitochondrien und inwieweit diese durch die Veränderungen beeinflusst werden. Hierbei interessiert die Kieler Wissenschaftler vor allem die Reifung der mRNA, bei der zahlreiche Veränderungen an der mRNA vorgenommen werden, bevor sie ihre funktionelle Form erhält. Die Boten- oder mRNA ist für den Eiweisaufbau entscheidend.

Mitochondrien sind faden- oder kugelförmige Gebilde in menschlichen, tierischen und pflanzlichen Zellen, die u.a. der Atmung, der Energieversorgung und dem Stoffwechsel dienen. Von Bedeutung sind sie auch bei Vorgängen wie der Zellalterung oder der Pollenreifung bei Pflanzen. Diese "Kraftwerke" einer Zelle tragen eine eigene DNA. (pte)

Share if you care.