SPÖ will 50 Prozent Ganztagsschulen

23. Oktober 2003, 17:42
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Gusenbauer: 100.000 Plätze in den kommenden zehn Jahren schaffen - Verpflichtender Acht-Stunden-Tag mit Unterricht und Freizeit

Wien - Die SPÖ will die Hälfte aller Schulen in Österreich als Ganztagsschulen führen. Dies forderte SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer am Dienstag bei einer Pressekonferenz. In den kommenden zehn Jahren sollten zunächst vor allem an Volks- und Hauptschulen 100.000 Ganztagsschulplätze geschaffen werden. Neben pädagogischen Vorteilen wie der Entlastung der Schüler vom Schulstress und mehr Möglichkeiten zur individuellen Förderung erwartet sich die SPÖ davon auch positive Auswirkungen auf die Beschäftigung von Frauen.

Schulautonome Änderungen möglich

Gusenbauer schwebt an den Ganztagsschulen eine Fünf-Tage-Woche mit verpflichtender Anwesenheitszeit von 8.30 bis 16.30 Uhr vor, wobei allerdings schulautonom Änderungen möglich sein sollen. Davor und danach soll es auf freiwilliger Basis ein Frühprogramm (ab 07.00 Uhr) mit Frühstück und freizeitpädagogischem Programm bzw. ein Nachmittagsprogramm mit Lernbetreuung und Freizeitmöglichkeiten (bis 18.00 Uhr) geben. Dafür und für das Mittagessen sollen auch sozial gestaffelte finanzielle Beiträge der Eltern eingehoben werden.

Idealfall: Keine "Haus"-Übungen mehr

Der Unterricht am Vor- und Nachmittag solle in Abwechslung mit Sport, musischer Betätigung und einem gemeinsamen Essen durchgeführt werden, betonte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser: "Es braucht niemand Angst haben, dass die fünf Stunden am Tag jetzt verdoppelt werden." Beim Unterricht selbst sollen offene Lehr- und Lernformen und Projektarbeit forciert werden. Angeboten werden sollen dabei auch Lernbetreuung, Begabtenförderung, Förderkurse. Wenn der Schüler nach Hause komme, sei die Schule auch wirklich zu Ende und die Hausübungen erledigt, meinte Niederwieser: "Im Idealfall muss er nicht einmal die Schultasche mitnehmen." Einschränkung: Für Schularbeiten werde man sich gelegentlich natürlich auch zu Hause vorbereiten müssen.

Mehrkosten

In zehn Jahren will Niederwieser rund ein Viertel der 700.000 Kinder im schulpflichtigen Alter ganztägig betreut wissen. Priorität hätten dabei die Volksschulen, wo es die Hälfte sein sollten, und dann die Hauptschulen. In der Anfangsphase würden dabei natürlich Mehrkosten entstehen - ein ganztägiger Platz koste etwa 3.000 Euro pro Schuljahr. Gegengerechnet werde müsse dies aber mit den Essenbeiträgen der Eltern sowie höheren Sozialversicherungs- und Steuerbeiträgen auf Grund der höheren Frauenerwerbstätigkeit.

Nicht jedes Kind hat einen Turnsaal

"Man kann die Welt nicht an einem halben Tag erklären", meinte SPÖ-Abgeordnete Beate Schasching, Leiterin des Projekts "Ganztägige Schulformen". Wohlhabende Eltern hätten dies schon immer gewusst und ihre Kinder in Privatschulen geschickt, die praktisch alle ganztägig geführt würden. Die Ganztagsschule habe nicht zuletzt auch soziale Funktionen: Nicht jedes Kind habe daheim einen Computer oder gar einen eigenen Turnsaal. (APA)

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    Die SPÖ will die Hälfte aller Schulen zu Ganztagsschulen machen

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