Zweifel an Einigung über neues Banken-Gehaltsschema

9. Oktober 2003, 12:50
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BA-CA-Betriebsrätin Fuhrmann: Reines Kostensenkungsprogramm der Arbeitgeber

Wien - Nach fast zwei Jahren sollten jetzt die Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag (KV) für die rund 70.000 Beschäftigten in den österreichischen Kreditinstituten in die Endrunde gehen. Für die nächste große Verhandlung am 17. November hätte ursprünglich ein Grobkonzept für das neue Gehalts- und Dienstrecht stehen sollen. Daraus wird nun wohl nichts. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir am 17. November ein Ergebnis haben", sagt Hedwig Fuhrmann, als Betriebsratschefin der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) eine der einflussreichsten Arbeitnehmervertreterinnen im österreichischen Kreditgewerbe. "Außer es geschieht ein Wunder."

Reines "Kostensenkungsprogramm"

Fuhrmann wirft der Arbeitgeberseite vor, sich von der ursprünglich gemeinsam ausgehandelten Zielsetzung verabschiedet zu haben. Anstatt bei der Entgeltreform "Nägel mit Köpfen" zu machen, wollten Arbeitgeber daraus jetzt offenbar ein reines "Kostensenkungsprogramm" machen, mutmaßt Fuhrmann im APA-Gespräch. Die Gewerkschaft fühlt sich durch Äußerungen von Arbeitgeberseite - etwa was die von Managern geforderte Abschaffung des Definitivums im Sparkassenbereich bzw. nach ultimativer Streichung der automatischen Vorrückungen zusätzlich zur Lohnrunde betrifft - brüskiert.

"So" werde man nicht darüber verhandeln, hieß es am Montag bei einer Betriebsräte-Veranstaltung in Wien. In 14 Tagen soll in einer Vorbesprechung der Arbeitnehmervertreter zur jährlichen Lohnrunde auch die weitere Vorgangsweise für die große Reform-Runde am 17. November beraten werden. Mit Kampfmaßnahmen wird nicht gedroht. Denn es gebe einen geltenden Kollektivvertrag und wer diesen einseitig breche, müsse die Konsequenzen eben vor Gericht austragen, hieß es bei der GPA.

Treichl-Weigerung sorgte für Aufruhr

Die Weigerung des Vorstandschefs der Erste Bank, Andreas Treichl, heuer noch mehr als 120 Mitarbeiter zu pragmatisieren, hat in der Gewerkschaft für Aufruhr gesorgt. Während in den Augen der Arbeitgeberschaft so der "zivile Ungehorsam" geprobt werden soll, sprach die Gewerkschaft von Rechtsbruch, drohte bereits mit juristischen Schritten.

In der Bankengewerkschaft wird jetzt befürchtet, dass der Chef der Erste Bank mit seinen Ankündigungen von "zivilem Ungehorsam", von Kündigungen und Filialschließungen im Inland Schrittmacher für andere ist. BA-CA-Chef Karl Samstag hatte am Wochenende eingeräumt, auch er sehe das Definitivum nicht als zeitgemäß und auch nicht für marktgerecht, aber sein Haus habe damit eigentlich kein Problem. Schärfer formulierte Erste-Boss Treichl: Für ihn ist der Umstand des Definitivums im Jahre 2003 "psychisch und physisch unerträglich".

Sallmutter sieht "neoliberalen Geist" am Werk

GPA-Chef Hans Sallmutter ist zornig: "Da hat der neoliberale Geist die Managerhirne erfasst". Bankmanager sprächen zwar immer vom "Humankapital", sie würden dies letztlich aber nicht leben. Das Definitivum sei, so Sallmutter, noch nie ein Wettbewerbshemmnis gewesen. Im Geldsektor sei der Mitarbeiterstand nach den großen Fusionen der letzten Jahre durchwegs über natürliche Fluktuation reduziert worden. Und er rate den Arbeitgebern, dies weiter so zu halten. Öffentliche Drohungen wären kontraproduktiv. "Die Gewerkschaft wird nicht bereit sein, auf Zuruf zu folgen", so Sallmutter. (APA)

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