"Junk Bonds" haben jetzt noch Saison

14. Oktober 2003, 14:11
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Bei sehr risikoreichen Unternehmensanleihen ist jetzt - vor dem erwarteten Aufschwung - noch einiges zu holen, auch wenn die Renditen schon geschrumpft sind

"Böse Engel lieben Wachstum", sagt Volker Steinberger. Der Rentenanalyst der Capital Invest Fondsgesellschaft bezieht sich auf eine Beobachtung am Anleihenmarkt: Wenn Volkswirtschaften stagnieren oder gar schrumpfen, wächst der Renditeabstand schwächerer Schuldner gegenüber erstklassigen deutlich an. Und umgekehrt: Wächst die Wirtschaft, schrumpft die Spanne. Der Grund: je schwächer der Schuldner, umso größer in Zeiten konjunktureller Flaute das Ausfallrisiko. Umso höher der Renditeabstand, also die Risikoprämie gegenüber erstklassigen Schuldnern.

Konkret war der Effekt bei Anleihen von Unternehmen, die mit dem Aktienmarkt in den letzten Jahren abstürzten, zu beobachten. Der Fall solcher früherer "Engel" ergab zudem schnell negative Bewertungen durch Ratingagenturen in Form von Herabstufungen. Prominente Namen wie Alcatel, ABB, Ericsson, Fiat und Vivendi mussten gravierende Minderungen ihrer Ratings hinnehmen. Folge: Die Schuldner mussten für neue Obligationen überdurchschnittlich hohe Zinsen zahlen, bei ihren alten Anleihen vergrößerte sich der Renditeabstand, Spread genannt, zur Messlatte (üblicherweise erstklassige Staatsanleihen, Rating AAA) noch mehr. Im Spätsommer 2002 lag der Spread für BB-Schuldner immerhin bei rund 600 Basispunkten, das heißt die Anleiherendite lag um ganze sechs Prozentpunkte höher als die erstklassiger Staatsanleihen.

FGefallene Engel lieben das Wachstum

Inzwischen hat sich die Situation geändert. Wichtiger als der allgemeine Zinsrückgang bis Juni sind die positiven wirtschaftlichen Erwartungen und Zahlen in den letzten Monaten. Fast gleich laufend hat sich der Zinsabstand zwischen schwächeren und erstklassigen Schuldnern verringert. Derzeit liegt der Spread für BB-Anleihen bei rund drei Prozentpunkten, hat sich also innerhalb eines Jahres halbiert. Kein Wunder, wenn gefallene Engel das Wachstum lieben. Deshalb sieht Steinberger gerade bei schwächeren Schuldnern noch Aufholpotenzial, was den Spread betrifft.

Anleger haben freilich das Problem einer Bewertung einzelner Schuldner sowie einer ausreichenden Streuung, die gerade bei Risikoanlagen notwendig ist. Daher empfehlen sich Spezialfonds wie der Global High Yield Fonds Capital Invest.

Sein Portfolio, das von Goldman Sachs gemanagt wird, besteht zu 95 Prozent aus Anleihen, die nicht Investment Grade, also höchstens ein Rating BB besitzen. Schuldner sind zu 80 Prozent Unternehmen, zu 20 Prozent Länder wie Brasilien, Kolumbien und Mexiko. (Nikolaus Dolenz, Der Standard, Printausgabe, 06.10.2003)

  • Capital-Invest-Experte Volker Steinberger erklärt die Einflussfaktoren und Mechanismen des "Junk Bond" Marktes
    foto: photodisc

    Capital-Invest-Experte Volker Steinberger erklärt die Einflussfaktoren und Mechanismen des "Junk Bond" Marktes

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