"Neue Streiks liegen nicht in der Luft"

8. Oktober 2003, 16:02
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Die AHS- Lehrergewerkschafterin Eva Scholik im STANDARD- Interview: "Stimmung ist resigniert - enttäuscht"

Die Stimmung sei "enttäuscht", neue Streiks wegen der Stundenreduktion erwartet AHS-Lehrergewerkschafterin Eva Scholik aber nicht. Mit ihr sprach Martina Salomon.

STANDARD: Wird es heuer wieder Streiks an den AHS geben?

Scholik: Meiner Einschätzung nach wird es wegen der Stundenkürzung keine Streikbewegungen mehr geben. Aber die Stimmung ist resigniert- enttäuscht.

STANDARD: Haben Lehrer durch die Reform ihre Jobs verloren?

Scholik: Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle Lehrer, die im Vorjahr angestellt waren, auch heuer angestellt.

STANDARD: Worüber herrscht denn dann Frust? Hat die Reform Chaos ausgelöst?

Scholik: Nein, wir haben die Sache im Griff. Aber viele Lehrer haben sehr viel Arbeit in autonome Schwerpunkte ihrer Schulen gesetzt, die jetzt aufgrund fehlender Stunden nicht immer in vollem Ausmaß möglich sind. Aber dass die Lehrer jetzt alles fallen lassen, trifft nicht zu. Da würden wir uns ja selbst schaden.

STANDARD: Flüchten jetzt sehr viele Lehrer in die Pension? Scholik: Mich stört das Wort "flüchten". Jetzt kann man noch nach altem Recht mit 61,5 statt später mit 65 in Pension gehen. Das nützen viele.

STANDARD: Ihre Forderungen?

Scholik: Eine Erhöhung des Stundenkontingents für Wahlpflichtfächer, mehr Zeitressourcen zur Schülerbetreuung, mehr Förderkurse, um Begabte wie weniger Begabte zu fördern. Ich würde mir außerdem viel höhere Einstiegsgehälter, dafür eine flachere Kurve wünschen. Österreichische Lehrer liegen bis zum 50. Lebensjahr unter dem OECD- Schnitt und dann darüber. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.10.2003)

Zur Person

Die Wiener Geschichts- und Sportlehrerin Eva Scholik wurde vor drei Wochen zur Vorsitzenden der ("schwarzen") AHS-Lehrergewerkschaft gewählt.

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