Hamas: Sperrzaun kann Anschläge nicht verhindern

5. Oktober 2003, 16:00
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"Mauer wird das zionistische Gebilde nicht schützen" - Einige palästinensische Dörfer vom Rest des Westjordanlandes abgeschnitten

Gaza-Stadt - Die radikal-islamische Hamas hat Israel am Freitag gedroht, die im Bau befindliche Sperranlage im Westjordanland werde künftige Anschläge nicht verhindern. "Die Mauer wird das zionistische Gebilde nicht schützen und Widerstandsschläge nicht verhindern", hieß es in einer Hamas-Erklärung. "Der Tag wird kommen, an dem diese Mauer schließlich zusammenfällt, wie die Berliner Mauer fiel."

Israel will sich mit dem Zaun vor Anschlägen schützen. Die Palästinenser befürchten, die Sperranlage, teils ein Zaun mit elektronischen Sensoren, teils eine Mauer aus Beton, könnte die Grenzen eines künftigen Palästinenser-Staates vorwegnehmen. Am Donnerstag appellierte die Palästinenser-Regierung an die Nahost-Vermittler von USA, UNO, EU und Russland, den Weiterbau zu stoppen.

Mauer werde Widerstand schüren

Die Barriere werde die Palästinenser weiter provozieren und den Widerstand schüren, heißt es in der Hamas-Erklärung. "Die Mauer wird das Westjordanland zerreißen und riesige Gebiete annektieren, Pufferzonen schaffen, in denen hunderttausende Palästinenser in großen Gefängnissen leben." Dies werde es unmöglich machen, einen Palästinenser-Staat zu schaffen und den internationalen Nahost-Friedensplan scheitern lassen. Israelische Politiker haben stattdessen betont, der Zaun stelle keine Grenze dar. Er könne auch wieder entfernt werden.

Einige palästinensische Dörfer und Städte abgeschnitten

Der Verlauf der Sperranlage orientiert sich nicht an der so genannten Grünen Linie, der Grenze vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967, sondern reicht in besetztes Gebiet hinein, um jüdische Siedlungen zu umfassen. Dadurch sind etliche palästinensische Dörfer und Städte vom Rest des Westjordanlandes abgeschnitten. Bauern können ihre Felder auf der anderen Seite des Zauns nur mit Mühe erreichen.

"Dieses Land wird seit Generationen vom Vater zum Sohn vererbt", sagte der 68-jährige Bauer Ibrahim Mohammed el Tharf in Biddia im Westjordanland. "Unsere Bäume haben alle Kriege seit dem Osmanischen Reich bis zur heutigen Zeit überstanden. Und nun das." Zehntausende Olivenbäume, die Basis der palästinensischen Wirtschaft, sind gefällt worden, um Platz für den Sperrzaun zu schaffen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein jugendlicher Palästinenser bei einer Kundgebung der Hamas im Westjordanland

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