Musik in der Schmerztherapie

4. Oktober 2003, 12:00
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Untersuchungen in Salzburg zeigen deutliche Verbesserungen - auch Schlafmittelverbrauch gesenkt

Salzburg - Musik könnte in Hinkunft eine größere Rolle in der Schmerztherapie spielen. Univ.-Prof. Günther Bernatzky vom Institut für Zoologie der Universität Salzburg und Schmerzspezialist stellte am Freitag bei einer Pressekonferenz in der Mozartstadt neue Studien vor: So konnten durch den dreiwöchigen Einsatz von Musik in der Therapie die Rückenschmerzen von Patienten signifikant verbessert werden. Der Schmerzmittelverbrauch konnte vor und nach einer Operation um 60 Prozent, der Schlafmittelverbrauch um 50 Prozent gesenkt werden.

Am Krankenhaus Hallein konnten Patienten am Tag vor einer Operation und unmittelbar vor bzw. während des Eingriffs über Kopfhörer einer standardisierten Musik samt gesprochener Entspannungsanleitung zuhören. In Saalfelden wurden Patienten mit Rückenschmerzen mit der rezeptiven Musiktherapie behandelt. "Im Verlauf der Therapie nimmt die emotionale Belastung durch Schmerzen deutlich messbar ab", weiß Bernatzky. Bei den Patienten mit Rückenschmerzen konnte die Stärke des Schmerzes deutlich gesenkt werden, die Schlafqualität verbesserte sich nach drei Wochen um 50 Prozent, berichtete der Wissenschafter.

Musikart

Verwendet wird dabei allerdings nicht die Lieblingsmusik eines Patienten. Es handelt sich um eine Art Weltmusik mit indischen und balinesischen Einflüssen, beschrieb Bernatzky. Diese werde von vielen Menschen als angenehm empfunden.

"Schmerzen hängen vom Augenblick ab", sagt der Experte. Sie werden von emotionalen Faktoren, der soziokulturellen Umgebung, organischen Ursachen, Kindheitserfahrungen, Umwelteinflüssen und dem Schmerzgedächtnis beeinflusst. So gibt es auch Erbanlagen, die Menschen Schmerzen unterschiedlich empfinden lassen. Frauen haben eine höhere Schmerztoleranz als Männer, erläuterte Bernatzky. Durch Musik kann die Rückkoppelung Schmerz-Stress-Schmerz unterbrochen werden, sie wirkt entspannend. Der Patient erhält durch die Musik aber auch eine Möglichkeit, selbst etwas aktiv gegen den Schmerz zu tun. Er fühlt sich nicht mehr so hilflos ausgeliefert.

Bewusstsein erhöhen

Die Ergebnisse der Studie wurden im Rahmen der Aktivitäten zur österreichischen Schmerzwoche präsentiert. Es gehe darum, das Bewusstsein für chronische Schmerzen zu erhöhen. Noch immer gebe es viele Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, und keine adäquate Behandlung bekämen, weiß Primar Gernot Pauser, ärztlicher Direktor des St. Johanns-Spitals an den Landeskliniken Salzburg.

Die vor drei Jahren eingerichtete Ambulanz für Patienten mit chronischen Schmerzen hat im vergangenen Jahr knapp 4.000 Behandlungen durchgeführt. "Schmerz ist interdisziplinär", sagte Pauser. Medikamente seien zwar unverzichtbar, man müsse in der Therapie aber auch auf viele andere Möglichkeiten - wie Akupunktur, Biofeedback oder Musik - zurückgreifen. (APA)

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