Deutschland begeht 13. Jahr der Einheit

5. Oktober 2003, 14:35
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Bundeskanzler Schröder fordert weiter Anstrengungen für Vollendung der Einheit - Zentrale Gedenkfeier dieses Jahr in Magdeburg

Magdeburg - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die Menschen in Deutschland zu weiteren Anstrengungen zur Vollendung der Deutschen Einheit aufgerufen. "Auch wenn vieles geschafft ist, machen wir uns keine Illusionen, dass noch ein langer und beschwerlicher Weg vor uns liegt", sagte er am Freitag auf der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Magdeburg. Der deutsche Bundesratspräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sagte, zu den ungelösten Problemen gehörten die hohe Arbeitslosigkeit und die Abwanderung im Osten. Bisher gebe es keine überzeugenden Strategien dagegen.

Kanzler wirbt für seine Politik

Schröder sagte, trotz einer beeindruckenden Aufbauleistung sei die Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern bedrückend hoch. In diesem Zusammenhang unterstrich er die Notwendigkeit von Reformen. Der Kanzler warb in seiner Festrede auch eindringlich für seine Reform-Agenda. Als stärkste Wirtschaftsmacht in der Europäischen Union trage Deutschland auch eine Verantwortung für Wachstum und Fortschritt in Europa. Der Kanzler erinnerte zudem an die neue Verantwortung Deutschlands. "Anders als 1990 kann sich Deutschland heute notwendigen Entscheidungen in der Außenpolitik nicht mehr entziehen", sagte Schröder vor allem mit Blick auf den Einsatz deutscher Soldaten im Ausland.

Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) machte wie Schröder deutlich, dass 13 Jahre nach der Vereinigung "vieles erreicht" worden sei. Er betonte aber ebenso, dass es noch viel zu tun gebe. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte im DeutschlandRadio Berlin, die Deutschen seien auf "der Hälfte des Weges". Vielleicht seien die ersten 13 Jahre das Besteigen großer Berge gewesen, "und jetzt haben wir eine lange, aber nicht mehr so steile Wegstrecke vor uns."

Kertész würdigt Deutsche Einheit

Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész, der als Festredner nach Magdeburg eingeladen war, würdigte die Deutsche Einheit als Ereignis von unschätzbarem Wert. Der lange und konfliktbeladene Prozess der Vereinigung sei eine Generalprobe für die europäische Einheit. Die Demokratie in Deutschland sei stark und reif genug, um alle Auseinandersetzungen zu überstehen, betonte Kertesz.

Ökumenischer Gottesdienst

Die zentrale Feier zum Einheitstag fand zum ersten Mal seit 1990 in Magdeburg statt; die Ausrichtung wechselt jährlich zwischen den Bundesländern. Vor dem Festakt gab es einen ökumenischen Gottesdienst im Magdeburger Dom. Unweit des Gotteshauses wurde ein Denkmal enthüllt, das an die Montagsdemonstrationen und die friedliche Revolution im Herbst 1989 erinnert. An den Feierlichkeiten nahmen unter anderem auch Bundespräsident Johannes Rau, Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und CDU-Chefin Angela Merkel teil. Auch ein Bürgerdenkmal zur Deutschen Einheit wurde eingeweiht. Daneben fanden in der gesamten Innenstadt zahlreiche Veranstaltungen statt.

Mit dem "Sonderzug nach Pankow" nach Magdeburg

Altrocker Udo Lindenberg reiste mit einem bunt bemalten Sonderzug von Berlin an. Mit der Aktion spielte er auf seinen 1983 veröffentlichten Hit "Sonderzug nach Pankow" an, in dem er beim damaligen DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker für eine Annäherung der beiden deutschen Staaten warb.(APA/dpa/Reuters)

Politiker mahnten an, dass die Deutschen aus Ost und West noch immer zu wenig voneinander wüssten.
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    Das Brandenburger Tor.

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    Udo Lindenberg und sein sein Bassisten Stefi Stephan auf dem "Sonderzug nach Pankow" vor der Abfahrt von Berlin nach Magdeburg.

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