FPÖ Salzburg-Stadt: Neue Spitzenkandidatin übt scharfe Kritik an Parteiführung

6. Oktober 2003, 14:34
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Bisherige Klubobfrau fordert: FPÖ darf nicht länger schärfster Feind der FPÖ sein

Salzburg - Die Freiheitlichen in der Stadt Salzburg haben überraschend einen Generationswechsel vollzogen. Beim außerordentlichen Bezirksparteitag der FPÖ Salzburg-Stadt wurde am Donnerstagabend einstimmig Klubobfrau Doris Tazl (38) zur Spitzenkandidatin für die Kommunalwahlen im März 2004 gewählt. Vizebürgermeister Siegfried Mitterdorfer (61) hatte zuvor erklärt, nicht mehr antreten zu wollen.

Die neue Spitzenkandidatin wurde von den Delegierten auch einstimmig zur geschäftsführenden Bezirksobfrau gewählt. Unter dem Eindruck des "desaströsen Wahlergebnisses" in Tirol und Oberösterreich habe er sich entschlossen, nicht mehr zu kandidieren, begründete Mitterdorfer. "Wir brauchen einen neuen Hoffnungsträger." Sein politisches Vermächtnis heiße Doris Tazl, erklärte Mitterdorfer den überraschten Delegierten im Kongresshaus.

Es könne nicht dabei bleiben, dass der größte politische Gegner der FPÖ die FPÖ sei und das "dritte Lager zur vierten Kraft" werde, meinte Tazl. Es müsse Schluss sein mit "unglücklichen Versuchen, kritische Stimmen aus der Partei zu verbannen". "Viele Wähler erwarten ein Eingeständnis, dass der Bruch der Regierung ein schwerer Betriebsunfall war", meinte die bisherige Klubobfrau der FPÖ im Gemeinderat. Man hätte den Fehler eingestehen und sich entschuldigen müssen, analysierte Tazl. Doch die FPÖ habe "unglücklich und trotzig reagiert" und sei dafür vom Wähler bestraft worden.

Die FPÖ in der Stadt Salzburg könne sich sicher dem Abwärtstrend nicht völlig entziehen, meinte Tazl. Sie könne aber wieder gewinnen, wenn es eine geradlinige Politik und ein klares Profil gebe. Sie wolle eine "eigenständige Stadtpartei" als "lokalen Versuch einer neuen FPÖ", kündigte Tazl an. Ihr Ziel sei es, den Regierungssitz für die FPÖ in der Stadt zu halten und "frischen Wind in die Männerrunde in der Stadtregierung zu bringen".

Sicherheit, Ausländer, Anti-Bürokratismus und Architekturkritik seien die Themen, mit denen sie sich positionieren werde. Sie bekenne sich dazu, dass sie mittel- bis langfristig Bürgermeisterin werden wolle, sagte Tazl. Die Kandidatenlisten für die Gemeinderatswahlen im März 2004 werde sie Ende Dezember oder Anfang Jänner vorlegen, kündigte sie an.

Am Ende des Bezirksparteitages bat Mitterdorfer den nicht anwesenden Landesparteiobmann Karl Schnell, diese Neuregelung mitzutragen und Tazl im "Interesse eines gemeinsamen Wahlerfolges in Stadt und Land Salzburg" zu unterstützen. APA)

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