"Ich weiche doch nicht"

1. Oktober 2003, 09:24
56 Postings

Was Therese Beham, die Leiterin der Abtreibungsklinik Lucina, zum Weitermachen bewegt - SLP sammelte über 5.300 Unterschriften für die Klinik

Wien - Mitte September stellte die Abtreibungsklinik Lucina ihren Betrieb vorübergehend ein. Wie Klinikleiterin Therese Beham in einer Presseaussendung der Sozialistischen Linkspartei (SLP) erklärte, sei die Bedrohung durch radikale AbtreibungsgegnerInnen so weit fortgeschritten, dass sie in den Räumlichkeiten nicht mehr weiterarbeiten könne. Inzwischen hat die Klinik, die seit Jahren von Human Life International (HLI) bekämpft wird, den Betrieb wieder aufgenommen.

Denn Therese Beham will trotz aller Widrigkeiten nicht aufgeben. Bei der Klinikleiterin und einer weiteren Frau wurden erhöhte Kohlenmonoxid-Werte im Blut festgestellt, die laut mehreren auch dieStandard.at vorliegenden Befunden "für Personen, die nicht berufsbedingt belastet sind, auffällig sind". Das Klinikpersonal erhalte immer wieder "Morddrohungen, dass wir vergast werden wie die Juden", so Beham im Gespräch mit dieStandard.at. "Psychoterror gegen Patientinnen und Klinikpersonal" wurde in einem Verfahren von HLI gegen Claudia Sorger, Frauensprecherin der SLP, (noch nicht rechtskräftig) festgestellt.

"Ich weiche doch nicht"

Was bewegt eine Klinikleiterin trotz allem weiter zu machen? "Wir haben einen großen Zuspruch von Frauen. Das Gesetz der Fristenregelung ist mir heilig. Ich lasse mich nicht unterkriegen. Ich weiche doch nicht!" bleibt Beham bei ihrem "frauenkämpferischen Geist", wie sie selbst es bezeichnet. Gegen Dietmar Fischer, den Chef von HLI, habe sie inzwischen eine Klage wegen Ruf- und Geschäftsschädigung eingebracht.

Das wichtigste seien im Moment jedoch neue Räumlichkeiten für die Klinik, denn die jetzigen gehören inzwischen HLI, die eine Kündigungsklage eingebracht hat. Lucina hatte zuvor wegen Geschäftsschädigung eine Mietminderung beantragt. Die erste Kündigungsklage vom Dezember 2000 hatte die Klinik gewonnen.

Unterschriften für die Klinik

Finanziell sieht es für den Weiterbestand der Klinik nicht rosig aus. Durch "umgeleitete Telefone", was laut Beham Patientinnen bestätigen könnten, und den Terror vor der Klinik hätten sie inzwischen weniger Patientinnen. "Wir haben einen guten Ruf, aber wir brauchen Räumlichkeiten, zu denen Fischer keinen Zutritt hat", so die Klinikleiterin.

Die SLP, die sich schon lange für die Lucina-Klinik einsetzt, hat inzwischen Unterschriften zu folgendem Text gesammelt: "Die Krankenanstalt MAIRO (Anm.: jetzt LUCINA) bittet ihre Patienten höflichst, mit ihrer Unterschrift zu dokumentieren, dass die Organisation HLI (Human Life International), die ihre Aktivisten vor dem Haustor Große Sperlgasse 33 postiert haben, als frauenfeindlich, durch Psychoterror die garantierte freie Entscheidung der Frau völlig ignorieren, das demokratische Recht Österreichs auf das schändlichste missbrauchen – und somit mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu bekämpfen ist."

Forderungen

Die gesammelten Unterschriften von PatientInnen der Klinik - 5318 Unterschriften an der Zahl - wurden vor etwas mehr als einer Woche der Wiener Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (SPÖ) übergeben. Die SLP forderte in diesem Zusammenhang unter anderem die Unterbringung der Lucina-Klinik in Räumlichkeiten der Gemeindespitäler, Schwangerschaftsabbruch auf Krankenschein, eine Bannmeile für radikale AbtreibungsgegnerInnen rund um Kliniken und Arztpraxen sowie die kostenlose Verbreitung von Verhütungsmitteln und umfassende Sexualberatung an den Schulen, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern.

Aus dem Büro Pittermanns wurde dieStandard.at erklärt, dass der Lucina-Klinik bereits Mitte 2001 ein Angebot gemacht wurde, den Klinikbetrieb in den Räumlichkeiten der Rudolfstiftung im 3. Bezirk abzuhalten. Das Angebot wurde damals abgelehnt. "Weil 80.000 Schilling Miete, dazu noch in Gemeinderäumlichkeiten, zu teuer sind", erklärt Beham. "Da sind mir die Frauen wichtiger; dass auch mal eine kostenlose Abtreibung möglich ist." (red)

  • Therese Beham gibt im Kampf für das Recht auf Abtreibung nicht auf.
    foto: diestandard.at
    Therese Beham gibt im Kampf für das Recht auf Abtreibung nicht auf.
Share if you care.