Biometrie - the next Generation

7. Oktober 2003, 11:26
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Neuer Schub für Überwachungsysteme in Europa - Fingerabdruck und Gesichtserkennung billiger als Iris-Scann

Ob Fingerabdruck, Iriskontrolle, Gesichts- oder Spracherkennung - biometrische Sicherheitssysteme haben in Europa angesichts von Terrorismus-Abwehr und EU-Osterweiterung einen neuen Schub erhalten.

Lukrativ und hart umkämpft

In der Branche wird mit Spannung erwartet, für welches System sich die EU-Staaten bei ihren Grenz- und Ausweiskontrollen entscheiden werden. Der milliardenschwere Markt gilt als äußerst lukrativ und hart umkämpft. Die EU-Kommission setzte unlängst ein erstes Signal, als sie Fingerabdruck und Gesichtsbildspeicherung in Visa und Pässen als EU-weiten Standard vorschlug. Zwar müssen die Mitgliedstaaten noch zustimmen. Nach Einschätzung von Branchenexperten und Innenpolitikern spricht jedoch vieles dafür, dass sich Fingerabdruck und Gesichtserkennung gegen die Iris-Kontrolle durchsetzen werden.

Fingerabdruck und Gesichtserkennung

"Was die Kosten angeht, ist die Iris-Erkennung das teuerste System", sagt Innenexpertin der deutschen Grünen Silke Stokar. Branchenexperten zufolge schlagen vor allem die hohen Patentkosten zu Buche, die die marktführende US-Firma Iridian für ihr System offenbar verlangt. Aber auch strategisch bieten Fingerabdruck und Gesichtserkennung Vorteile: Die EU-Staaten blieben zumindest auf diesem Feld der Informationstechnologie von den USA unabhängig, heißt es in der Branche.

Bürgerrechte

Gegen den Fingerabdruck sprechen Stokar zufolge aber auch Fragen der Bürgerrechte. Im Gegensatz zur Iris hinterlasse man mit seinen Fingern ständig Spuren. Seien die Abdrücke einmal zentral erfasst, könnten sie theoretisch nicht nur bei Grenzkontrollen, sondern auch für jede polizeiliche Ermittlung genutzt werden. Die Furcht vor einem Überwachungsstaat sitzt tief. Die Grünen fordern daher wie Datenschützer ein geschlossenes System, das vor Ort die Daten in den Ausweisen mit der Person abgleicht (Verifizierung), aber keine Identifikation über eine Zentraldatei gestattet.

Einsatzgebiete

Am Frankfurter Flughafen soll demnächst ein Versuch mit Iriserkennung starten. Innen-Staatssekretär Fritz Rudolf Körper (SPD) hob jedoch unlängst hervor, ein Systemwechsel sei ohne größeren Aufwand möglich. In der deutschen Botschaft in Nigeria laufe zudem ein problemloser und recht erfolgreicher Erkennungstest mit zehn Fingerabdrücken. Der EU-Vorschlag könne aber nicht vor 2006 realisiert werden.

Neue Geschäftsfelder für die angeschlagene IT-Branche

In der angeschlagenen IT-Branche werden biometrische Systeme als eines der wenigen lukrativen neuen Geschäftsfelder bewertet. Allein in Deutschland müssten die Passstellen von etwa 12.500 Gemeinden mit Aufnahmegeräten für biometrische Daten ausgestattet werden. Die Kosten eines Erfassungsgeräts für Fingerabdrücke werden in der Branche auf 5000 Euro geschätzt - inklusive Fingerscanner, Kamera und Computer. Hinzu kommen zahlreiche Erkennungsgeräte, mit denen Bundesgrenzschutz und Polizei bei den Grenzkontrollen ausgestattet werden müssten; dazu Programme und Hardware zur Erfassung, Verwaltung und Auswertung der Daten.

Dreidimensionalen Gesichtserkennung

Unternehmen wie Siemens Business Services (SBS) können hier gleich mehrere Komponenten bedienen. "Wir sind sehr gut positioniert", sagt Peter Blaschke, Leiter des Kompetenzzentrums Öffentlicher Sektor bei SBS. Neben Sicherheitskarten arbeitet SBS derzeit unter anderem auch an einer dreidimensionalen Gesichtserkennung, die die derzeitige zweidimensionale Lösung ersetzen soll. Im zweiten Quartal 2004 soll das Produkt an den Markt gehen. (Reuters)

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    Iriskontrolle im Einsatz

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