Übersetzungssoftware mit Trainingsbedarf

7. Oktober 2003, 11:31
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Langenscheidt legt neue Ausgabe seines Profi-Pakets T1 vor

Um die Technik der maschinellen Übersetzung ist es ruhig geworden. Wirtschaftliche Probleme wie der Zusammenbruch der belgischen Sprach-Software-Firma Lernout & Hauspie haben ebenso für Ernüchterung gesorgt wie die ungelöste Schwierigkeit, die Bedeutung von Texten mit Computer-Algorithmen zu erfassen. Jetzt bringt Langenscheidt nach drei Jahren wieder eine neue Version seiner Profi-Software T1 heraus, mit der der Sprachen-Spezialist "einen neuen Standard im Bereich der Übersetzungssoftware" setzen will.

Ansprüche

Maschinelle Übersetzungen erheben nicht den Anspruch, den menschlichen Fachübersetzer überflüssig zu machen - die Vorstellung von der Maschine ist hier sehr wörtlich zu nehmen: T1 eignet sich für die schnelle Übertragung umfangreicher Texte in die fremde Sprache - die Version 5.0 gibt es in Ausgaben für Englisch, Französisch, Spanisch oder Russisch. Unumgänglich sind anschließend aber intensive Qualitätskontrolle und manuelle Nacharbeit.

Verbesserung

Die neue Software macht geltend, dass die "kontextsensitive" Analyse weiter verbessert worden sei. Im Test der Englisch-Ausgabe treten bei den Ergebnissen aber oft Missverständnisse der inhaltlichen Bezüge auf. Wenn etwa die Deutsche Bischofskonferenz alle privaten und öffentlichen Unternehmen in Deutschland aufruft, mehr Ausbildungsplätze für junge Menschen bereitzustellen, wird daraus in der T1-Übersetzung: "The German Bishop Conference called all private for providing more training facilities for young people and public companies in Germany." Aus einem "gelungenen Foto" wird "a succeeded photograph", und bei der Drehung der Erde um die Sonne, wird das Verb "to turn" statt des korrekten "to revolve" verwendet.

Bereiche

Ansätze zur gezielten Steuerung der Übersetzung bietet die Auswahl von Sachgebieten. Zur Telekommunikation etwa werden als Unterthemen Faseroptik, ISDN und Radiotechnik angeboten. Auch kann bestimmt werden, ob der Zieltext in britischem oder in amerikanischem Englisch gehalten sein soll - hier werden dann die typischen Unterschiede etwa in der Rechtschreibung berücksichtigt.

Bei der Installation der Übersetzungssoftware kann man angeben, ob T1 in andere Anwendungen wie den Internet Explorer und Microsoft Office integriert werden soll. Wenn ganze Web-Seiten zu übersetzen sind, bleibt das ursprüngliche Layout der Site erhalten, ebenso die Struktur von Excel-Tabellen.

Stagnation

Verglichen mit früheren Versionen des T1 oder auch mit der Konkurrenz-Software "Personal Translator" von linguatec lassen sich kaum Fortschritte in der Übersetzungsleistung erkennen. Die Verbesserungen liegen eher in der Unterstützung nachträglicher Korrekturen. Die Übersetzung auf Knopfdruck gibt nicht nur den Zieltext aus, sondern auch ein Glossar mit Hinweisen zum Kontext und eine "Liste neuer Wörter".

Begriffe

Hier finden sich regelmäßig die im Deutschen so beliebten Komposita: Bei diesen zusammengesetzten Begriffen wie "Bezugsdauer" (von Arbeitslosengeld) kennt T1 die einzelnen Bestandteile "Bezug" und "Dauer", ist aber mit der semantischen Erkennung überfordert und zeigt dies auch ganz aufrichtig mit einer farbigen Markierung im übersetzten Text an: Blau dargestellt werden unbekannte Komposita. Grün bedeutet, dass es für einen Begriff mehrerer Alternativen gibt. Diese werden mit einem Mausklick angezeigt - oder lassen sich im Lexikon nachschlagen.

Wenn die Software nicht mehr weiter weiß, sollte ihr der Anwender hilfreich zur Seite stehen. Ist die richtige Übersetzung bekannt, kann das Wörterbuch um den neuen Begriff erweitert werden, und beim nächsten Mal wird die "Bezugsdauer" beim Arbeitslosengeld korrekt übersetzt mit "assistance period"; für die Bezugsdauer eines Abonnements sollte aber auch gleich an die Variante "subscription period" gedacht werden.

Steigerung

Auf diese Weise kann die Leistungsfähigkeit der Software mit zunehmender Nutzung gezielt gesteigert werden. Zu solchem Training gehört auch die Pflege des Übersetzungsarchivs: Gültige Übersetzungen werden hier so abgelegt, dass deren Wendungen künftig berücksichtigt werden. Gerade in Firmen mit einem spezifischen Fachwortschatz kann T1 auf diese Weise effektiv zur schnellen Überbrückung von Sprachhürden eingesetzt werden.

T1 wird in drei verschiedenen Ausgaben angeboten, wobei nur die Professional-Ausgabe zum Preis von 499 Euro das Übersetzungsarchiv enthält. Die Ausgaben "Standard" (159 Euro) und "Standard plus" (209 Euro) unterscheiden sich im wesentlichen im Umfang des integrierten Wörterbuchs. Alle Ausgaben enthalten zusätzlich die OCR-Software ReadirisPro 7 zur Texterkennung eingescannter Vorlagen. (APA)

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