Rauchstopp im Krankenhaus gefordert

14. Oktober 2003, 14:11
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Französischer Experte organisiert europaweites Netzwerk - tausend Krankenhäuser haben sich schon solidarisiert

Wien - Fast ein Skandal: In vielen europäischen Krankenhäusern darf noch immer geraucht werden. Ärzte, Krankenschwestern und -Pfleger greifen in Europa noch immer ähnlich häufig wie die übrige Bevölkerung zu Zigaretten. Dies erklärte am Montag bei einer Pressekonferenz beim Europäischen Lungenkongress in Wien Univ.-Prof. Dr. Bertrand Dautzenberg vom Pitie-Salpetriere Hospital (Paris).

"Tabakrauch ist die wichtigste Ursache von Lungenerkrankungen. Das Aufhören mit dem Rauchen ist die wichtigste Behandlung. In drei europäischen Ländern (Spanien, Rumänien, Griechenland) gibt es selbst im Spital noch immer keine Nikotinersatztherapie", so der Mediziner.

"Nichtrauchen ist besser als alle Medikamente"

Die Zigaretten erhöhen die Gefährdung durch eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung auf das Acht- bis Zehnfache. Dasselbe gilt laut Dautzenberg auch für das Lungenkarzinom: "Nichtrauchen ist auch besser als alle Medikamente. Eine Strahlenbehandlung erhöht bei Lungenkrebs die Überlebensrate um sieben Prozent, eine Chemotherapie um zwei bis sechs Prozent. Nichtrauchen verdoppelt die Überlebenswahrscheinlichkeit."

Der französische Experte organisiert daher ein europaweites Netzwerk, welches das Nichtrauchen in allen Spitälern realisieren soll. Rund 1.000 Krankenhäuser machen bereits mit.

Auch außerhalb der Krankenhäuser muss laut Dr. Eva Kralikova von der Rauch-Entwöhnungsklinik der Karls-Universität in Prag das Therapieangebot für Zigaretten-Liebhaber verbessert werden: "Tabak-Abhängigkeit ist eine chronische und tödliche Krankheit. Sie sollte wie jedes andere Leiden behandelt werden." Jeder Arzt sollte sich um die Raucher unter seinen Patienten besonders kümmern. (APA)

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