Heftige Nachbeben in Japan

30. September 2003, 11:07
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Schäden insgesamt relativ gering - Aufräumarbeiten auf Hokkaido begonnen - Evakuierte kehren in ihre Häuser zurück

Urakawa/Japan - Die japanische Insel Hokkaido ist am Wochenende weiter von starken Nachbeben erschüttert worden, die eine Stärke bis zu 5,3 erreichten. In der Stadt Tomakomai geriet in einer Raffinerie ein Öltank in Brand. Die Insel war am Freitag vom bisher heftigsten Beben weltweit seit rund zweieinhalb Jahren mit der Stärke 8 erschüttert worden. Dabei wurden 572 Menschen verletzt, 43 von ihnen schwer. Wie die Zeitung "Mainichi" am Sonntag berichtete, hatte nur jeder sechste Bewohner den Evakuierungsaufforderungen der Behörden Folge geleistet.

Hokkaido ist die am dünnsten besiedelte der japanischen Inseln. Zuletzt gab es dort 1993 bei einem Beben und den dadurch ausgelösten Wellen, den Tsunamis, 230 Tote. Die Wellen waren dieses Mal mit einer Höhe von meist nur 1,50 Meter kleiner als von den Behörden erwartet. Es soll aber auch vier Meter große Wellen gegeben haben. Die Zeitung zitierte einen 79-jährigen Küstenbewohner mit der Bemerkung, er sei nach dem Beben vor sein Haus gegangen, habe sich die Wellen angeschaut und beschlossen, der Evakuierungsaufforderung nicht zu folgen. Von den 41.000 Menschen, die dem Aufruf gefolgt waren, kehrten am Wochenende fast alle wieder in ihre Häuser zurück und begannen mit den Aufräumarbeiten.

Zwei Fischer wurden vermutlich Opfer eines Tsunamis. Die Suche nach ihnen wurde am Samstag aufgegeben. Mehrere Fischerboote wurden von den Wellen an Land gespült. Fischer fürchteten, erst in einer Woche wieder mit dem Fang beginnen zu können.

Ausmaß der Schäden noch nicht absehbar

Das gesamte Ausmaß der Sachschäden könne noch nicht abgeschätzt werden, hieß es. In mehreren hundert Haushalten wurde die Wasser- und Stromversorgung bereits wiederhergestellt, in der Stadt Hokkaido allerdings hatten noch immer 60 Prozent der Bevölkerung kein fließendes Wasser. In mindestens sechs weiteren Städten auf der Insel mussten zerstörte Wasserleitungen repariert werden, wie ein Regierungssprecher mitteilte. Insgesamt blieben die Schäden auf der Insel aber relativ gering, da die Region auf Erdbeben vorbereitet ist, nicht zuletzt in ihrer Bausubstanz. Das Meteorologische Institut Japans warnte, es könne weiter noch ein Nachbeben mit der Stärke sechs auftreten.

Erdstöße auch in Sibirien

Im Süden Sibiriens gab es am Samstag ein heftiges Erdbeben. Es hatte eine Stärke von 8,5, wie das Katastrophenschutzministerium in Moskau mitteilte. Das Epizentrum lag den Angaben zufolge in einer Tiefe von 33 Kilometern in der russischen Republik Altai, die an die Mongolei und Kasachstan grenzt. Die Erschütterungen waren unter anderem in den Regionen Krasnojarsk und Tomsk zu spüren, die zu den stärker bevölkerten Gebieten Sibiriens gehören. Über Verletzte oder Sachschäden lagen zunächst keine Berichte vor. (APA/AP)

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    Besichtigung der Schäden des Erdbebens von Freitag. Experten warnen vor weiteren Nachbeben.

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    Breite Rauchwolken stiegen über der in Brand geratenen Ölraffinerie auf

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