"Ich lebe ein ganz normales Leben"

29. September 2003, 12:08
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Begegnung mit einem ganz normalen Henker

Den folgenden Beitrag zum Abbau interkultureller Barrieren verdankt DER STANDARD der saudi-arabi-schen Tageszeitung "Okaz":

Muhammad Saad Al-Beshi, Saudi-Arabiens führender Exekutor, köpft bis zu sieben Leute am Tag: "Zwei, vier oder zehn - das macht für mich keinen Unterschied. Solange ich dadurch Gottes Wille erfülle, ist es ganz egal, wie viele Menschen ich exekutiere", erzählt der siebenfache Vater, dessen Karriere im Gefängnis von Tarif begann. Dort war es seine Aufgabe, den Gefangenen vor ihrer Exekution die Hände zu fesseln oder die Augen zu verbinden. "Aus diesen Erfahrungen heraus entwickelte sich dann bei mir der Wunsch, Henker zu werden." Er bewarb sich für den Job und wurde angenommen.

Seinen ersten Auftritt hatte er 1998 in Jeddah: "Der Verbrecher war gefesselt und blind. Mit einem Schwertstreich schlug ich ihm den Kopf ab. Er rollte meterweit."

Natürlich war er anfangs nervös, erzählt er, weil so viele Leute zusahen, aber mit der Zeit legte sich das Lampenfieber, heute sei er ganz ruhig bei der Arbeit. Allerdings gebe es viele Leute, denen schlecht wird, wenn sie bei einer Exekution zusehen. "Ich verstehe nicht, warum sie dann kommen, wenn sie nicht den Magen dafür haben", wundert sich Al-Beshi, er selbst schlafe vorzüglich, fügt er hinzu.

Ob er glaube, dass sich die Leute vor ihm fürchten? "In unserem Land haben wir eine Gesellschaft, die Gottes Gesetz versteht. Keiner hat Angst vor mir. Ich habe viele Verwandte und eine Menge Freunde und lebe ein ganz normales Leben wie jeder andere auch."

Das Schwert ist ein Geschenk der Regierung. "Ich pflege es und schärfe es von Zeit zu Zeit und achte darauf, dass keine Blutrückstände sind. Es ist sehr scharf. Die Leute sind immer wieder verblüfft, wie schnell es den Kopf vom Körper trennen kann."

Er habe auch schon eine Reihe von Frauen hingerichtet. "Ich hasse zwar Gewalt gegen Frauen, aber wenn es Gottes Wille ist, muss ich ihn erfüllen."

Das Leben eines Henkers besteht aber natürlich nicht nur aus Hinrichtungen. Manchmal muss er auch Hände oder Beine abtrennen. Dafür brauche es nur ein scharfes Messer, kein Schwert, erklärt er. "Wenn es eine Hand ist, schneide ich sie an der Wurzel ab, wenn es um ein Bein geht, bestimmen die Autoritäten, wo es abgetrennt wird, und das mache ich dann."

Al-Beshi sieht sich als Familienmensch. Seine Frau akzeptiert seine Arbeit. "Ich glaube nicht, dass sie sich vor mir fürchtet", lächelt er. "Ich behandle meine Familie freundlich und liebevoll. Sie haben keine Angst, wenn ich von einer Exekution heimkomme. Manchmal helfen sie mir, das Schwert zu säubern."
(Übersetzung: Mischa Jäger/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.7. 2003)

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