Amina Lawal freigesprochen

10. Oktober 2003, 11:50
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Urteil in Berufungsinstanz aufgehoben: Keine Steinigung der "Ehebrecherin"

Katsina - Fünf nigerianische Richter haben am Donnerstag das Steinigungsurteil gegen Amina Lawal aufgehoben. Die Richter begründeten ihren Spruch damit, dass der 31-jährigen Frau in den vorangegangenen Verfahren nicht ausreichend Gelegenheit geboten worden sei, sich zu verteidigen. Lawal war voriges Jahr wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Das nach dem islamischem Recht der Scharia gefällte Urteil hatte zu einem weltweiten Sturm der Entrüstung geführt.

Die Todesstrafe war am 22. März 2002 über Amina Lawal verhängt worden, weil sie ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hat - zwei Jahre nach ihrer Scheidung wurde dies als eben Ehebruch gewertet.

Vor Gericht hatte die Frau angegeben, dass ihr Freund sie mit einem Heiratsantrag verführt habe. Mahmud wurde freigesprochen, nachdem er auf den Koran geschworen hatte, nicht der Vater des Kindes zu sein. Das Urteil sollte ursprünglich Anfang 2004 vollstreckt werden, sobald die Frau ihr Kind abgestillt hat.

Das islamische Recht der Scharia wurde im Laufe der letzten drei Jahre in zwölf nigerianischen Provinzen eingeführt. Neben der Steinigung sieht die Scharia - unter anderen - auch Auspeitschungen und die Amputation von Gliedmaßen vor. Seit der Einführung der Scharia wurden in Nigeria drei Menschen Hände abgehackt - bis jetzt ist aber kein Steinigungsurteil vollstreckt worden. (rott, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9. 2003)

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    Amina Lawal (Mitte) mit ihrem Kind und ihrer Anwältin, mit deren Hilfe ein Freispruch erwirkt wurde.
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