Vertrauen als Falle

12. Oktober 2003, 19:51
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Die lauten Kritiker der Fremdwährungskredite haben Recht - Kommentar von Karin Bauer

Die lauten Kritiker der Fremdwährungskredite haben Recht: Diese Finanzierungsform ist für Private, die nicht täglich im Devisengeschäft arbeiten, sehr riskant. Die existenzbedrohenden Fallen von Schulden in Franken, Yen oder Dollar liegen aber weniger im Zins- und Währungsrisiko. Vielmehr lauern sie im allgemeinen Irrglauben, den Finanzindustrie, Banken und auch Finanzberater gerne nähren, nämlich dass sie ihr Geschäft aus Nächstenliebe treiben und gegenseitiges Vertrauen die Hartwährung sei, auf die ihr Geschäft aufbaut.

Das Gegenteil ist der Fall: Banken und Berater leben vom Geld ihrer Kunden. Bei einem Eurokredit verdienen die Banken wesentlich besser als bei einem Fremdwährungskredit, weil die Spanne zwischen Einlagenzinsen und Kreditzinsen hoch ist. Damit auch bei Verschuldung in Franken und Yen mehr für die Bilanz übrig bleibt, fallen ihnen natürlich genügend Klauseln in den Verträgen ein, die nicht gerade konsumentenfreundlich sind. Etwa die zwangsweise Rückkonvertierung in Euro. Damit der Strick um die Gurgel auch fest sitzt, werden dann noch hauseigene Aktienfonds als Besicherung verkauft. Steigt die Kreditwährung, wie derzeit der Yen, und fallen die Aktienmärkte, dann geht es für den Kunden ans Eingemachte. Dabei war der Berater doch so nett, sogar Kaffee hat er gebracht, die Kredithöhe war kein Problem, mit der Unterschrift unter das seitenweise Kleingedruckte ging alles ruck, zuck.

Fremdwährungskredite können eine Menge Geld ersparen. Zinsrisken lassen sich auch für Private durch geeignete Instrumente absichern, das Währungsrisiko braucht aktive Kontrolle und vielleicht noch einen Optionsschein. Das wahre Risiko für das Geld der Kunden in der Finanzindustrie auch bei Kreditverträgen heißt aber: blindes Vertrauen. (DER STANDARD Printausgabe, 24.9.2003)

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