ÖAW-Institut für Dialektforschung wird 90

28. September 2003, 20:43
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Wien - In Wien sind es die "Erdäpfel", im Waldviertel "Bramburi", im Lungau die "Erdling" und im Burgenland die "Grundbirn" - 3,6 Millionen solcher Dialektbelege der bairischen Mundarten in Österreich lagern im Hauptkatalog des Instituts für Dialekt- und Namenforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), das heuer sein 90-jähriges Bestehen feiert. Aus diesem Anlass veranstaltet das Institut vom 25. bis 27. September das Symposium "Deutsche Wortforschung als Kulturgeschichte" in Wien.

Größtes Dialektareal im deutschen Sprachraum

In Bayern, in ganz Österreich östlich des Arlbergs und in Südtirol werden bairische Mundarten gesprochen. Diese Region ist damit das größte Dialektareal innerhalb des deutschen Sprachraums, sagte Isolde Hausner, Leiterin des Instituts. Das ÖAW-Institut ist mit der Bearbeitung und Herausgabe des "Wörterbuchs der bairischen Mundarten in Österreich" befasst.

Dialekterhebungen

1913 wurde das Institut als "Wörterbuchkanzlei" gegründet. Ein großer Teil der seither gesammelten 3,6 Millionen Belege der bairischen Mundarten stammt aus einer zwischen 1913 und 1936 durchgeführten Fragebogenerhebung in ganz Österreich. Zudem wurden zwischen 1927 und 1990 in zahlreichen Forschungsfahrten direkte Dialekterhebungen vorgenommen. Weitere Quellen sind Mundartdichtungen sowie private Dialektsammlungen.

Parallel zum "Wörterbuch der bairischen Mundarten" erstellen die Wissenschafter derzeit eine Dialektdatenbank, die 2006 bis 2007 fertig gestellt und dann für Wissenschafter und Hobbyforscher zugänglich gemacht werden soll. Das Wörterbuch selbst wird seit 1963 publiziert, derzeit liegt der fünfte Band mit jeweils rund 1.600 Seiten vor, bis zum Jahr 2020 soll das Werk mit zehn bis zwölf Bänden abgeschlossen werden. (APA)

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