Mordspekulationen über Tod von Papst Johannes Paul I

29. September 2003, 19:04
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Das geistliche Oberhaupt starb vor 25 Jahren nur 33 Tage nach seiner Wahl - Vatikan verzichtete auf Obduktion der Leiche

Rom - Vor einem Vierteljahrhundert starb Papst Johannes Paul I. Sein Pontifikat ging als eines der kürzesten in die Kirchengeschichte ein, während der jetzige Papst Johannes Paul II. bereits länger im Amt ist als fast alle seine Vorgänger und das 25-jährige Jubiläum im Oktober bevor steht. Der 65-jährige Albino Luciani starb völlig überraschend in der Nacht vom 28. auf den 29. September 1978 - nur 33 Tage nach seiner Wahl zum Nachfolger von Papst Paul VI. Nach offiziellen Angaben erlag er einem Herzinfarkt - doch bis heute halten sich Gerüchte, dass er keines natürlichen Todes starb.

Offiziell Herzinfarkt

Nach offizieller Darstellung des Vatikans wurde Johannes Paul I. in der Früh des 29. September in seinem Bett sitzend tot aufgefunden. Nach Angaben des hinzugezogenen Arztes hatte er schon vor Mitternacht beim Lesen einen Herzinfarkt erlitten. Diese Version wurde jedoch immer wieder in Zweifel gezogen. Seit Jahrhunderten war kein Papst schon einen Monat nach seiner Wahl gestorben. Sofort kamen unter anderem auch Gerüchte auf, Johannes Paul I. sei ermordet worden.

Kursänderungen geplant

Er sei beseitigt worden, besagen die Gerüchte, weil er angeblich die mächtige römische Kurie grundlegend reformieren wollte, weil er in der in undurchsichtige Geschäfte verwickelte Vatikanbank aufräumen wollte, ja sogar weil er radikale Kursänderungen der Kirche geplant habe. Bücher wurden über den angeblichen Mord geschrieben. Als Hauptindiz für einen Mord wurde von den Mordtheoretikern die Entscheidung des Vatikans gewertet, auf eine Obduktion der Leiche zu verzichten.

Der "Lächelnde"

Luciani galt als bescheidener, streng gläubiger Mann. Der Norditaliener stammte aus ärmlichen Verhältnissen und ging wegen seines freundlichen Wesens als "lächelnder Papst" in die Geschichte ein. Luciani war Patriarch von Venedig, als ihn seine Kardinalskollegen schon am ersten Tag des Konklave am 26. August 1978 überraschend zum Oberhaupt der katholischen Kirche wählten. Er selbst, der nicht zu den Favoriten für die Nachfolge zählte und international weithin unbekannt war, soll gezögert haben, die Wahl anzunehmen. Er gab sich den in der Kirchengeschichte neuen Namen Johannes Paul, aus Respekt für seine beiden Vorgänger Johannes XXIII. und Paul VI.

Knapp drei Wochen nach dem Tod von Johannes Paul I. wurde am Abend des 16. Oktober 1978 der Krakauer Kardinal Karol Wojtyla als erster Nichtitaliener seit rund einem halben Jahrtausend zum Nachfolger gewählt. Wojtyla übernahm den Namen seines Vorgängers, doch noch lange werden sich Theologen fragen, welchen Gang die Kirchengeschichte genommen hätte, wenn der Luciani-Papst länger gelebt hätte. (APA/dpa)

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