Schwere Zeiten für die Textilindustrie

24. September 2003, 19:32
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Sechs Prozent weniger Umsatz im Halbjahr - Einbußen bei Exporten - Mitarbeiterabbau geht weiter - mit Infografik

Wien - Die österreichische Textilindustrie hat im ersten Halbjahr 2003 die weltweit generell schwache Konjunktur zu spüren bekommen. Der Umsatz sank in den ersten sechs Monaten um 5,9 Prozent auf 1,467 Mrd. Euro. Die für die Branche extrem wichtigen Exporte - rund 80 Prozent der Umsätze werden im Ausland gemacht - gingen um 5,8 Prozent zurück. Vor allem der neue Hoffnungsträger der Branche, die "technischen Textilien", bekam mit einem Minus von 7,7 Prozent die Flaute in der Autoindustrie zu spüren. "Ich bin aber optimistisch, dass wir in einem Jahr wieder über ein Umsatzplus in der Textilindustrei berichten können", sagte der Präsident des Fachverbandes, Peter Pfneisl, am Montag vor Journalisten in Wien.

2002 hatte die Textilindustrie den Umsatz im Gesamtjahr mit 2,912 Mrd. Euro (plus 0,5 Prozent) noch etwas mehr als gehalten, nachdem im ersten Halbjahr noch in Plus von 3,5 Prozent verzeichnet worden war.

Talsohle durchschritten?

Pfneisl glaubt, dass die Talsohle bereits durchschritten ist. Ob bis Jahresende das Minus der ersten sechs Monate aufgeholt werden kann, sei "schwer abzuschätzen". Vor allem die weitere Entwicklung bei den technischen Textilien, auf die mittlerweile 44 Prozent der Umsätze entfallen, sei schwer vorherzusagen. Auf der größten Stoffmesse der Welt, 'Premiere Vision' in Paris, habe es dieser Tage jedenfalls bereits positive Signale gegeben, dass man sich wieder auf dem Weg zu einem Aufwärtstrend befinde. Nicht nur die Besucherzahlen, auch die Aufträge lagen über dem Vorjahr, so Pfneisl. Allerdings brauche es auch in Österreich und am wichtigen deutschen Markt einen "Stimmungsumschwung".

Kein Ende ist nach wie vor beim Mitarbeiterabbau in der Textilindustrei absehbar. Im ersten Halbjahr 2003 ging die Zahl der Beschäftigten um 8,4 Prozent auf 17.859 zurück, gleichzeitig suchen die Betriebe weiter Nachwuchskräfte. Konkret werden Hilfskräfte abgebaut (Spinnereien: -10 Prozent, Strickerein- und Webereien - 6 Prozent) und Textiltechniker für die zunehmend computergesteuerte Maschinen benötigt, so Pfneisl. Zuletzt sei es mit einer speziellen Kampagne zumindest gelungen, den Schülerschwund in den Textilschulen zu stoppen.

Branche erwarte sich mehr

Für die Zukunft wünscht sich die Textilindustrie weiterhin eine bessere steuerliche Behandlung von Investitionen, sowie eine stärkere Förderung der Kapitalbildung in den Betrieben. Der reduzierte Körperschaftssteuersatz von 25 Prozent für nicht entnommene Gewinne bis 100.000 Euro sei zwar für Gewerbebetriebe erfreulich, "im industriellen Bereich aber zu wenig", betonte der Fachverbandspräsident.

Die Textilbranche fordert auch eine Reform des Arbeitsrechts, um etwa die bezahlten Ausfallzeiten - beispielsweise bei Freizeitunfällen - zu reduzieren. "Wenn sich jemand den Knöchel bricht, muss er nicht automatisch für sechs Wochen voll arbeitsunfähig sein", erklärte Pfneisl. Der Arzt solle entscheiden, ob der Mitarbeiter zumindest für einige Stunden arbeiten könne. Weiteren Reformbedarf ortet die Textilindustrie auch bei den Biennalsprüngen. Diese seien zwar schon halbiert worden, die altersbedingten Vorrückungen seien aber nach wie vor problematisch. "Am schönsten wäre es, sie ganz wegzubringen", so Pfneisl.

Im Exportgeschäft brauche die österreichische Textilwirtschaft weiter eine Öffnung der Märkte in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Die EU-Kommission sei zwar grundsätzlich immer "wortreich für einen Abbau der Zollbarrieren", sei aber letztlich immer bereit, Kompromisse einzugehen. (APA)

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    Textilindustrie schrumpft

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