Memory-Stick aus Grazer Softwareschmiede soll Leben retten

29. September 2003, 10:21
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Patienten können Krankendaten auf kleinem Speichermedium am Schlüsselbund tragen - Praktischer Einsatz noch ungeklärt

Im Notfall könnte er eventuell ein Leben retten - bei Verlust hat allerdings auch jedermann Einblick auf die ganz persönlichen Patientendaten des Trägers: Der so genannte "Lifestick" einer Grazer Softwareschmiede, der am Montag in Graz vorgestellt wurde. Dahinter verbirgt sich ein Speichermedium im USB-Stick-Format, der patientenrelevanten Daten für den Notfall gespeichert hat und über jeden modernen Computer mit entsprechender Schnittstelle abgerufen werden kann.

prima vista

Als ein "Schlüsselanhänger, der mittels speziellem EDV-Programm prima vista in der Lage ist, wichtige, unter Umständen lebensrettende medizinische Daten des Patienten im Notfall zur Verfügung zu stellen", wurde das mobile Speichermedium vom Inhaber der Firma ALAG, Alwin Günzberg, präsentiert. Die auf dem Memory-Stick gespeicherten Daten können "in bedrohlichen Akutsituationen und beim Arztbesuch in der Alltagsroutine" auf jedem PC oder Laptop, der über die geeignete Schnittstelle verfügt, abgerufen werden. Gespeichert werden kann nach Vorstellungen des Herstellers alles von der Blutgruppe über Anamnesedaten bis hin zu Röntgen- und MR-Bildern. Bis zu 16 MB an Daten - "das entspricht in etwa 50 schönen Röntgenbildern", so Günzberg - können auf dem Medium archiviert werden.

Über die Datensicherheit seines Produktes hat sich der Hersteller keine grauen Haare wachsen lassen: Schutz gibt es nur vor ungewollter Veränderung der Einträge, nicht aber vor dem Zugriff Unbefugter. Nur durch dieses offene System sei der Abruf der Daten im Notfall möglich: "Der Patient ist für seinen Life-Stick ebenso verantwortlich, wie für seine Aktentasche", lautete dazu das knappe Statement Günzbergs.

Ungewissheit herrscht auch darüber, wie Patienten ihre Ärzte dazu bringen, die Daten auf den Stick zu laden. Im Gespräch mit der APA konnte man keine konkrete Zahl von Medizinern nennen, die sich bereit erklärt hätten, den Stick entsprechend mit Informationen zu füllen. "Wir haben uns bei rund 100 Kunden schlau gemacht und wir sind auf keinen gestoßen, der dass System abgelehnt hätte", so Günzberg.

Günstig

Als besonders vorteilhaft für Senioren, denen es schwer falle, alle ihre Krankheiten zu verwalten und teils mehrere Notfallpässe mit sich führen müssen, bewarb der Feldbacher Internist Hans Waller das System. "Günstig für alle jene Fälle, wo man als Mediziner kurzzeitig keine Kommunikation mit dem Patienten herstellen kann - bei Epileptikern oder psychiatrischen Notfällen" bezeichnete der Leibnitzer Psychiater und Neurologe Walter Krenn das Produkt. (APA)

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