Pühringer ringt um Voest-Pakt

24. September 2003, 17:37
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"Standortpartnerschaft" soll drohende Stimmenverluste hintanhalten

Linz/Wien - Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer versucht angesichts des oberösterreichischen Debakels bei der Voest-Privatisierung und befürchteter Verluste bei der Landtagswahl die Flucht nach vorne.

Da die mehrheitlich im Besitz des Landes stehende Technologie- und Marketinggesellschaft TMG bei der Aktienzuteilung leer ausging, trommelte der Landeschef am Wochenende Unternehmensvertreter zusammen, um eine "überparteiliche Standortpartnerschaft" mit dem Land Oberösterreich zu gründen. Gerüchten zufolge hat die TMG übrigens gar nicht um Voest-Aktien mitgeboten.

Also fanden sich jene Unternehmenschefs bei Pühringer ein, die seit dem Voest-Börsengang Voest-Aktien halten bzw. bereits vorher welche hatten: Ludwig Scharinger von der Raiffeisenlandesbank OÖ, Franz Gasselsberger (Oberbank), Emil Lauß (Oö. Hypo), Wolfgang Weidl (Oberösterreichische Versicherung), Leo Windtner (Energie AG) und Generaldirektor Gernot Krenner (VKB). Ziel sei es, Standort, Arbeitsplätze und das geplante Investitionsprogramm der Voest abzusichern. Eine Reverstaatlichung oder ein Hineinregieren ins Unternehmen drohe nicht, betonte Pühringer. Er lade auch die Mitarbeiterstiftung und andere österreichische Unternehmen ein, "uns zu verstärken".

Derzeit halten die Oberösterreicher laut Pühringer (inklusive Mitarbeiterstiftung) mehr als 35 Prozent, ohne Voestler seien es 25 Prozent. Entschieden wies Pühringer die SPÖ-Kritik am Voest-Verkauf zurück: Mehr als 50 Prozent des Stahlkonzerns seien in österreichischer Hand, und zwar ohne 15-prozentige Umtauschanleihe. "Von einem Verkauf ans Ausland kann daher keine Rede sein", unterstrich Pühringer. (red, Der standard, Printausgabe, 22.09.2003)

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