Gleiche Ausbildung, weniger Geld

19. September 2003, 09:08
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OECD-Studie: Noch immer gewaltige Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei Bildung und Einkommen

Berlin/Wien - Im Bildungsbereich klaffen noch immer gewaltige geschlechtsspezifische Unterschiede. Das hat die jüngste Studie "Bildung auf einen Blick" der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) ergeben. "Das Verhältnis zwischen dem Bildungsstand von erwachsenen Männern und Frauen ist in den meisten OECD-Ländern unausgeglichen: in der Vergangenheit hatten Frauen nicht genügend Möglichkeiten und/oder Anreize, den gleichen Bildungsstand wie die Männer zu erreichen", heißt es in dem Bericht. Bei der jüngeren Generation sieht es jedoch besser aus. Hier haben sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede "beträchtlich reduziert oder sogar umgekehrt".

Schon in der vierten Klasse übertrifft die durchschnittliche Lesekompetenz der Mädchen die der Buben. So unterscheiden sich die Leseprofile von Mädchen und Buben erheblich. Mädchen greifen zu Büchern, Buben bevorzugen Comics. Im Alter von 15 Jahren ist der Abstand zwischen den Geschlechtern am größten. In Korea und Österreich sind die Unterschiede zwischen Mädchen und Buben bei der mathematischen Grundausbildung am höchsten von allen OECD-Ländern. Interessant sind auch die unterschiedlichen Lernstrategien, die die Studie zutage förderte. So tendieren Mädchen eher dazu "eine Selbstbeurteilung vorzunehmen".

Bildung und Erwerbsbeteiligung

Unter den AkademikerInnen sind in 20 von 26 OECD-Ländern mehr Frauen als Männer zu finden. Österreich und die Schweiz sind aber die einzigen Länder, in denen in den vergangen zehn Jahren deutlich weniger Frauen als Männer ein Studium abgeschlossen haben. Mit zunehmendem Bildungsstand nimmt auch der geschlechtsspezifische Unterschied in der Erwerbsbeteiligung ab. Das heißt: Je höher der Bildungsstand, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau auch arbeiten geht.

Einkommensunterschiede

Wenn es um das Einkommen geht, dann nützt Frauen Bildung aber noch immer noch wenig: "Frauen verdienen im Vergleich zu Männern mit einem ähnlichen Bildungsstand nach wie vor weniger", heißt es in dem OECD-Bericht. "Diese Einkommensunterschiede werden durch die Häufigkeit von Teilzeitbeschäftigung von Frauen noch verschärft."

Die größten Unterschiede zwischen den Einkommen von Männern und Frauen klaffen in Ungarn und Spanien - sie machen mehr als 75 Prozent aus. Die Schweiz und Großbritannien stehen am anderen Ende der Skala. Hier machen die Unterschiede "nur" 54 Prozent aus. In Deutschland beträgt der Einkommensunterschied im Alter zwischen 30 und 44 Jahren sogar 60, für Ältere 53 Prozent. Aus Österreich wurden für diesen Teil der Untersuchung keine Daten geliefert.

Von Alexandra Föderl-Schmid
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