Maria Callas: Vissi d'arte - ein Leben für die Kunst

18. September 2003, 21:10
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Gedanken rund um den Todestag der größten Diva des 20. Jahrhunderts

"Sie war launenhaft und manisch, erfüllt von verzweifelter Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung, egoistisch und kindlich: eine Primadonna."
(Franco Zefirelli über Maria Callas)

Über keine andere Opernsängerin wurde je so viel geschrieben wie über „die Callas“. Um sie ranken sich die kühnsten Anekdoten, viele Biographien wurden verfasst und viele Fernsehporträts. Sie ist die Diva des 20. Jahrhunderts schlechthin, die größte Interpretin der italienischen Oper - und keiner anderen Künstlerin ist das Wort „Diva“ so auf den Leib geschnitten.

Diva der Skandalpresse

Christa Ludwig sagte über sie: „Eine Primadonna muss mindestens mit sieben Skandalen, aber auch mit sieben Erfolgen pro Jahr aufwarten können. Die Callas hat das perfekt befolgt.“ Die Medien rissen sich um die „Diva der Skandalpresse“, nannten sie Tigerin, Bestie, Furie; ihre Kämpfe und Streitereien mit Regisseuren, KollegInnen und Operndirektoren füllten die Schlagzeilen.

Die Primadonna ließ ihre Umgebung dafür auch ihre Launen spüren: Ein Journalist der "Time" zum Beispiel musste ihren nicht stubenreinen Zwergpudel von Rom nach Mailand schaffen, um ein Interview mit dem Star führen zu dürfen. Und während einer "Norma"-Aufführung im Rom des Jahres 1958 schickte sie den italienischen Staatspräsidenten Gronchi mitsamt dem restlichen Publikum unverfroren nach dem ersten Akt nach Hause, weil sie sich an jenem Tag nicht in Hochform fühlte.

Primadonna auf der Bühne, Diva im Leben

So erfolgreich sie auf der Bühne war, so bekannt-tragisch und klischeehaft-divaesk verlief ihr Privatleben: Noch verheiratet mit ihrem Manager Battista Meneghini lernte sie Aristoteles Onassis kennen und lieben – der sie später für Jackie Onassis verließ. Sie litt darunter, ihre sängerische Leistung hatte extrem nachgelassen, ein Bühnen-Comeback war sehr fraglich: Die ehemals große Sängerin hatte aber weder die Kraft, ihre Karriere endgültig zu beenden, noch ihre Sangeskunst wieder zu steigern. So schlecht ihre letzten Auftritte aber auch stimmlich waren – das Publikum blieb ihr immer treu, umjubelte und verehrte sie, liebte sie für die Leidenschaft ihres Ausdrucks und ihrer faszinierenden (Bühnen-)Persönlichkeit wegen.

Rückzug

Die letzten zwei Jahre ihres Lebens verschloss sich Maria Callas schließlich mehr und mehr, vermied die Öffentlichkeit, pflegte fast keine Kontakte und hörte sich in ihrer Pariser Wohnung stundenlang die eigenen Aufnahmen aus vergangenen Tagen an. Das Singen war ihr Leben gewesen – andere Interessen hatte sie kaum. Bekannte und Kollegen beschreiben den Umgang als Privatperson mit ihr als schwierig, in ihren letzten Jahren sogar als mühsam – lebte sie doch auch dort die Diva. So sagte etwa Franco Zefirelli: „Ein Abend mit Maria, das bedeutete, einen ganzen Abend lang über Maria zu reden; wie gut sie aussah, wie hübsch ihre Frisur war, ihr Kleid; dass sie wirklich ein Comeback wagen sollte und derlei mehr. Einzig und allein meine Erinnerung an „la Divina“ wie sie auf der Bühne gewesen war, wenn ihre Kunst sie zu einem anderen Menschen machte, half mir, derlei durchzustehen.“

Einsamer Tod

Maria Callas starb einsam mit nur 53 Jahren am 16. September 1977 in ihrer Pariser Wohnung. Und so sehr sich die Legenden um ihr Leben ranken, so sehr ranken sich die Gerüchte um ihren Tod. Autorin Eleni Kanthou etwa wirft in ihrer Callas-Biographie dazu einige Fragen auf: So traten bald Zweifel an der offiziellen Todesursache der Sängerin durch Herzversagen auf. Die Rettung sei nicht alarmiert worden, keine Autopsie durchgeführt und keine Totenmaske abgenommen. Ihr Leichnam wurde eingeäschert – die Urne verschwand plötzlich vor Weihnachten 1978 aus dem Pariser Friedhof Père Lachaise und wurde nach einem Rückgabe-Aufruf im Rundfunk wenig später in einem anderen Teil des Friedhofs wiedergefunden. Ihre Asche wurde schließlich in alle Winde der Ägäis verstreut.

Unsterblicher Mythos Callas

Da nach ihrem Tod keinerlei persönlichen Dokumente und Aufzeichnungen der Sängerin gefunden wurden, bleibt vieles über ihr Leben für immer im Dunkeln. Was viele als äußerst bedauernswert empfinden, wird dem Phänomen Diva allerdings nur gerecht – so rankt sich der Mythos um Maria Callas weiter und macht „La Divina“, ganz der „echten“ Primadonna entsprechend, für immer unsterblich. (isa)

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    Maria Callas: Die berühmteste Primadonna des 20. Jahrhunderts starb am 16. September 1977 alleine in ihrer Pariser Wohnung.
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