Blix: "Massenvernichtungswaffen vor zehn Jahren zerstört"

17. September 2003, 15:26
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"Zuerst sprachen sich von Waffen, dann von Waffenprogrammen - vielleicht finden sie Dokumente"

Sydney - Der Irak hat seine Massenvernichtungswaffen nach Ansicht des früheren UNO-Chefwaffeninspektors Hans Blix bereits vor zehn Jahren zerstört. In einem Interview für das australische Radio sagte Blix am heutigen Mittwoch, die Suche nach Beweisen für biologische, chemische oder atomare Waffen in dem arabischen Land werde wahrscheinlich bestenfalls nur Dokumente zum Vorschein bringen. "Je mehr Zeit vergeht, desto mehr glaube ich, es ist unwahrscheinlich, dass irgend etwas gefunden wird", sagte Blix.

"Massenvernichtungswaffen vor zehn Jahren zerstört"

"Ich komme immer mehr zum Schluss, dass der Irak, so wie von ihm behauptet, fast alles von dem, was er hatte, im Sommer 1991 zerstört hat", sagte Blix weiter. Im Jahr 1991 hatte die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) ein geheimes Atomwaffenprogramm im Irak entdeckt. Bis zum Jahr 1998 waren die IAEO-Experten diesem Programm auf der Spur, bis sie von Bagdad unter dem Vorwurf der Spionage aus dem Land geworfen wurden.

Blix leitete die vom UNO-Sicherheitsrat eingesetzte und im Herbst des Vorjahres mit weitreichenden Vollmachten ausgestattete Kontrollkommission (UNMOVIC), die den Irak auf das Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen überprüfen sollte. Obwohl von den Waffeninspektoren bei ihrer monatelangen Suche kein "rauchender Colt" gefunden wurde, hielten die USA an ihren Kriegsplänen gegen das Land fest und griffen es ohne Billigung des UNO-Sicherheitsrates und gegen den Widerstand des überwiegenden Teils der Weltgemeinschaft am 20. März dieses Jahres an. Bush hatte den Feldzug mehrmals mit der von angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen ausgehenden Gefahr gerechtfertigt.

"Zuerst sprachen sie konkret von Waffen, und später von Waffenprogrammen ... vielleicht werden sie einige interessante Dokumente finden", sagte Blix im Radiointerview ironisch an die Adresse der USA. Als UNMOVIC-Chef suchte der schwedische Diplomat und frühere IAEO-Generaldirektor drei Jahre lang nach unerlaubten Waffen im Irak.

Nach dem Ende des Irak-Krieges haben die Besatzungsmächte Forderungen nach einer Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren abgelehnt. Eine Gruppe von 1.500 Experten hat in den vergangenen fünf Monaten keinerlei Anzeichen für Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden. Auch US-Angaben, wonach im Juli Dokumente für ein mögliches Programm gefunden worden waren, dürften sich einem Bericht des US-Fernsehsenders ABC nicht bestätigt haben. (APA/Reuters)

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