Zehn Stunden im Freien - jährlich

1. Oktober 2003, 15:03
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Der Zivilrechtler Ganner stellte seinen Studenten anonymisierte Interviews mit Pflegern als Anschauungsmaterial zur Verfügung. DER STANDARD veröffentlicht Auszüge

Innsbruck - "Die Bewohner kommen selten ins Freie, vielleicht fünfmal pro Jahr. Das geht aber auch nur, wenn Ferialpraktikanten da sind, die ihren Ferialjob machen". . . "Manche Menschen, gerade wenn sie keine Angehörigen mehr haben oder ihre Freunde schon alt und zu schwach für eine Spazierfahrt sind, kommen deshalb über den Winter gut ein halbes Jahr lang nicht aus dem Haus. Sie sind also insgesamt höchstens 5 bis 10 Stunden pro Jahr im Freien."

"Erst wurde der Mensch unter riesigem Aufwand am Leben erhalten, und dann kann er einfach dasitzen und warten."

"Die Pfleger haben täglich fünf Minuten Zeit für ein Gespräch, sieben Minuten, um das Mittagessen einzugeben, und jeweils fünf Minuten, um das Frühstück und Abendessen einzugeben. Für die Inkontinenzbetreuung werden täglich vier Minuten berechnet."

"Die alten Menschen liegen aufgrund der Heimstruktur 14 bis 15 Stunden pro Tag im Bett, obwohl sie durchschnittlich ein Schlafbedürfnis von fünf bis sechs Stunden haben."

"Menschen brennen oft nach einer relativ kurzen Zeit der Pflegetätigkeit innerlich aus. Sie merken einfach aufgrund ihrer Ausbildung, wie es sein sollte, und sehen dann, wie es wirklich ist." (red/DER STANDARD, Printausgabe, 17.09.2003)

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