Kinder leiden unerkannt

24. September 2003, 19:27
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Das dumpfe Hämmern ist die Folge von Stress oder wird von der Mutter geerbt - vor allem Frauen sind betroffen - mit Grafik

Rom - Erwachsene Kopfschmerzpatienten klagen zumindest über ihre Symptome. Doch Kinder leiden oft unerkannt. Sie können die Zeichen einer Migräne häufig nur ungenau ausdrücken. Zu einem hohen Ausmaß sind Kopfschmerzen bei ihnen auch ein Hinweis auf psychischen Stress. Genetisch "übertragen" wird sie vor allem über die Mütter. Dies erklärten Fachleute beim Internationalen Kopfschmerzkongress in Rom.

"Wir haben 203 Kinder von Migränikern zehn Jahre lang beobachtet und drei Mal bis zum beginnenden Erwachsenenalter untersucht. Leidet ein Elternteil unter Migräne, haben die Kinder das 3,6-fache Risiko, die Krankheit ebenfalls zu bekommen", sagte die US-Expertin Kathleen Merikangas.

Frauen stärker betroffen

Bis zum 14. Lebensjahr gibt es bei der Migräne zwischen den Geschlechtern keinen Unterschied. Doch mit 24 Jahren haben dann 35 Prozent der jungen Frauen und 15 Prozent der jungen Männer mit Migränikern als Eltern die wiederkehrenden Kopfschmerzattacken. Eine genetische Belastung äußert sich zumeist dadurch, dass betroffene Kinder schon ab dem Alter von acht Jahren vermehrt an den Symptomen leiden.

Freilich, die Elternteile geben die Migräne nicht im selben Ausmaß an ihre Kinder weiter. Kathleen Merikangas: "Wir haben einen sehr prononcierten 'Mütter-Effekt' entdeckt. Ein Vater mit Migräne bedeutet für das Kind fast keine Steigerung des Risikos. Dieser Faktor beträgt nur 1,3. Doch eine Mutter mit Migräne bedeutet für das Kind das 4,7-fache Risiko für diese Form von Kopfschmerzen."

Ausdrucksproblem bei den Kleinen

Bei Kindern kommt erschwerend hinzu, dass sie ihre Symptome nicht so klar ausdrücken können. Sie klagen häufig einfach darüber, dass es ihnen nicht gut geht, dass sie "Bauchweh" haben etc. Dadurch wird die Krankheit in vielen Fällen nicht erkannt.

Nicht nur die Migräne macht Kindern zu Schaffen. Dr. Martine C. M. van de Geest (Universität Leiden/Niederlande) hat Spannungskopfschmerz, die häufigste Kopfschmerzform, sogar schon bei dreijährigen Kindern diagnostiziert. Bei täglichen Symptomen kam es bei 35 Prozent der Betroffenen deshalb auch zu Schulabsenzen.

Das haben auch italienische Wissenschafter unter Dr. Renato Donfrancesco (Rom) herausgefunden: 28 Prozent lernschwacher Kindern hatten regelmäßig Kopfschmerzen. Kinder ohne Lernschwierigkeiten klagten nur zu zwölf Prozent zeitweise über Symptome.

Viele Senioren betroffen

Bei einer Befragung der Universität von Palermo von 1.031 über 65 Jahre alten Personen, ergab sich, dass 225 oder 21,8 Prozent unter Kopfschmerzen litten. 4,6 Prozent hatten Migräne, 16 Prozent Spannungskopfschmerz und 1,3 Prozent anderer primäre Kopfschmerz-Formen."

Frauen im gebärfähigen Alter mit Migräne - speziell der Migräne mit neurologischen Begleiterscheinungen (Lichtblitze, Gefühlsstörungen - "Aura") - haben auch ein höheres Schlaganfallrisiko. Der britische Fachmann Dr. Michael Donaghy: "Insgesamt sind Schlaganfälle bei Frauen in dieser Altersgruppe mit 5,5 solchen Erkrankungen pro 100.000 Lebensjahren selten. Doch Frauen mit normaler Migräne haben das dreifache Schlaganfall-Risiko, Frauen mit Migräne samt Aura die bis zu 6,2-fache Gefährdung."

Migräne von psychiatrischen Symptomen begleitet

Speziell die Migräne ist schließlich auch eine Kopfschmerz-Form, die häufig mit anderen, allerdings psychiatrischen, Leiden einher geht. Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, die Migräne haben, weisen auch das doppelte Risiko für generelle Angststörungen auf. Sie leiden 2,7-fach häufiger an Panikattacken und 2,3 Mal öfter an spezifischen Phobien. So kann es durchaus sein, dass sich Migräniker noch zusätzlich nicht auf die Straße trauen (Agoraphobie) oder Angst vor Sozialkontakten (Sozialphobie) haben - was ihre Sitution nur noch schlechter macht. (APA, red)

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