Internet-Provider wehrt sich gegen US-Musiklobby

25. September 2003, 15:33
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"Die Interpretation der Rechtslage der RIAA ist eine Bedrohung für den Datenschutz und die Sicherheit der Konsumenten"

Das US-Telekomunternehmen SBC Communications ist der einzige der großen Internet-Service-Provider, der die Herausgabe von User-Identitäten verweigert. Das berichtet die New York Times. Seit Anfang Juli hat die Recording Industry Association of America (RIAA) mehr als 1.000 Vorladungen an Internet-Service-Provider, darunter die großen Konzerne BellSouth, Comcast, EarthLink, Time Warner Cable und Verizon, ausgesandt, indem sie dazu aufgefordert wurden, User-Daten preiszugeben.

"Wir werden jede einzelne Vorladung anfechten"

SBC, die zweitgrößte regionale Telefongesellschaft und ein großer lokaler Telekommunikations-Service-Provider im mittleren Westen und Westen der USA, hat allein rund 300 Vorladungen erhalten und verweigert, auch nur eine zu beantworten. Dagegen plant SBC, die RIAA ihrerseits zu verklagen. "Wir werden jede einzelne Vorladung anfechten, bis man uns sagt, dass unser Standpunkt aus rechtlicher Sicht falsch ist", so James D. Ellis, Anwalt von SBC. "Wir stellen uns gegen diese Vorladungen, weil die Interpretation der RIAA eine Bedrohung für den Datenschutz und die Sicherheit der Konsumenten ist", ergänzt SBC-Sprecher Selim Bingol.

"Laden Sie alle Musiktitel herunter, die Sie mögen. Und auch jene, die Sie nur irgendwie mögen"

Seit dem amerikanischen Telekommunikations-Gesetz von 1996 hat sich SBC als einziger der großen Telekom-Unternehmen bei weitem am aggressivsten gegen Gesetze gewehrt.. So hat SBCs Tochterunternehmen Pacific Bell beispielsweise eine Printwerbung mit folgender Aussage geschaltet: "Laden Sie alle Musiktitel herunter, die Sie mögen. Und auch jene, die Sie nur irgendwie mögen. Werden Sie verrückt nach MP3s. Lernen Sie neue Musik kennen. Erschaffen Sie sich eine Song-Bibliothek. Was auch immer." "SBC glaubt, dass kostenlose Musikdownloads das Geschäft steigern", ist RIAA-Vizepräsident Matthew J. Oppenheim überzeugt. "Das ist die einzige Erklärung, warum sie gegen uns einen Gegenprozess führen", so Oppenheim weiter. (pte)

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