Exchef der Hypo Tirol gründet "Nischenbank"

29. September 2003, 16:00
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Nach politisch forciertem Abschied zieht der Südtiroler Josef Prader namhafte Investoren an Land: Langes-Swarovski, Thöni und Fröschl.

Bozen/Innsbruck - Eine "regionale Nischenbank" für gehobene Geschäfte im Corporate Banking, Private Banking und Leasing: Das ist die Zielsetzung. Derzeit läuft das Vorhaben unter "project.o3", im Frühjahr 2004 soll die Bank operativ tätig werden, sagt Prader im Gespräch mit dem STANDARD. Von den angepeilten 50 Mio. Euro Grundkapital seien an die 20 Mio. Euro vorhanden und an die 40 Mio. Euro von 100 Aktionären.

Strategische Partner

Zwei Banken, eine italienische (wohl der Monte Paschi di Siena) und eine "aus dem deutschen Sprachraum" sollen als strategische Partner je 12,5 Prozent halten. Eine Übernahme der Mehrheit ist diesen untersagt.

Die drei Tiroler Industriellen sind vorerst die einzigen offiziell bekannten Teilhaber. Sie sind nicht nur wichtige Investoren, sondern auch Zugpferde. Die Beteiligung von Gernot Langes-Swarovski, Mehrheitseigentümer des Kristallkonzerns, Eduard Fröschl, Chef des größten Tiroler Baukonzerns, und von Arthur Thöni, Chef der Thöni Industriebetriebe (Aluminium, Umwelttechnik) und Hypo-Aufsichtsratsvorsitzender während Praders Direktion, wirkt als Vertrauensvorschuss.

Engere Heimat wird Kernmarkt

Der in Südtirol geborene 39-jährige Prader hat als Kernmarkt zunächst seine engere Heimat, die Region Südtirol-Trentino, im Auge und will diesen sukzessive Richtung Tirol und Oberitalien (Veneto, Emilia-Romagna und Teile der Lombardei) erweitern. Mit Blick auf vermögende Freiberufler und Unternehmer - "das Massengeschäft ist bereits gut abgedeckt" - will Prader in drei Jahren den Break Even erreichen und in zehn Jahren das Kapital vervierfachen.

"Die Wertsteigerung ist realistisch, wenn man die Bankverkäufe der vergangenen drei Jahren in Italien und Österreich analysiert." Prader will sich mit einem sehr kleinen Mitarbeiterstab von 20 Personen auf Kundenbetreuung konzentrieren und "den Rest outsourcen". Die beiden Partnerbanken sollen als Brückenköpfe mit Know-how für internationale Anleger fungieren.

Prader war im Juli nach heftigem politischem Wirbel als Chef der Hypo Tirol unter politischem Druck abgetreten, nachdem die von ihm betriebene Holding mit der Südtiroler Sparkasse politisch gescheitert war. Die Hypo verbesserte sich unter seinem Vorsitz in Österreich von Rang 20 auf den siebenten Platz und erhielt erstmals ein Triple-A-Rating. (bs/DER STANDARD Print-Ausgabe, 16.9.2003)

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