Blattsalat: Die Ausheckerinnen kommen!

15. September 2003, 19:49
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Eine Kolumne von Günter Traxler

Da genießt man, nichts Böses, ahnend, den Sonntag, lässt, wie es sich für diesen Tag gehört, den Herrgott einen guten Mann, vor allem aber - weil es doch beruhigt - einen Mann sein. Und dann das: Angst, richtige Angst haben die Männer bekommen, schleudert es eine Frau dem schwachen Geschlecht in der bunten "Krone" entgegen. Männer machen sich große Sorgen. Um ihr Ego und überhaupt um das ganze Abendland.

Letzteres ist bekanntlich zwar nur eine kleine Ausstülpung des männlichen Egos, aber es geht in dieser Sache um viel mehr: Es geht um die Kunst, die Kultur, einfach um das Ton-Angeben. Nicht so sehr um die Wirtschaft, es sind die meisten großen Bosse doch noch Männer. Noch! Aber diese Frauen, eine nach der anderen, die man jetzt Vordenkerinnen nennt. Vorstands-Vorsitzende der Denkfabriken, in denen öffentliche Meinung, kulturelles Verständnis ausgeheckt werden.

Wäre es irgendeine Frau, die da versucht, eine die Männer zu Tode ängstigende öffentliche Meinung auszuhecken - etwa die Unterrichtsministerin -, mann müsste nicht um sein Ego bangen. Bei der scharfsinnigen Ausheckerin männlicher Ängste handelt es sich aber um niemand geringeren als um Marga Swoboda, die sich ihr Spezialistentum auf dem Gebiet des Herren-Egos zweifellos in der Denkfabrik "Kronen Zeitung" erworben hat, wo sie es zwar noch nicht bis zur Vorstands-Vorsitzenden, sondern erst bis zur Ausheckerin von Kolumnen wie Komm, Kater, wärme mich gebracht hat. Dennoch sollte sich der von westdeutsch-allgemeinen Ego-Mannen im Ton-Angeben behinderte Vorstands-Vorsitzende Cato auf den Zangenangriff der Frauen-Macht im Fernsehen und in den modernen Denk-Fabriken schon einmal einstellen.

Ein wenig Zeit hat er noch, denn in Österreich ist es noch nicht so schlimm. Obwohl, immerhin: Die ORF-Generalin ist weiblich. Der Fernseh-Talk ist weiblich. Schlimm genug, aber im Talken waren sie stets überlegen. Hingegen Männer mit einem und mehreren Doktor-Titeln sitzen ein Leben lang in ihren Schreibstuben und kommen weder vom Fleck noch zu dickem Geld. Thomas Mann und Günther Grass, um zwei Literatur-Preisträger zu nennen, hatten allerdings auch keine Matura. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das schlimmste, was einer heute werden kann, ist die Kombination aus Mann und Akademiker. Das ist ja ego-mäßig das Letzte. Hingegen Sandra Meischberger hat längst den klugen Fernseh-Männern gezeigt, wo der Hammer hängt. . . Die Rehaugen! Die Rehaugen, mit denen diese Frau ausgestattet ist!

Rehaugen - oder doch lieber Hirschaugen? - sollten sich die Männer von heute zulegen, statt Matura zu machen. Denn verängstigte Denker vergleichen erfolgreiche Frauen von heute mit hinterhältigen Vipern, aber solche Vergleiche halten deren Vormarsch nicht auf, wie Marga Swoboda überzeugend darlegt. Eine Bundespräsidentin könnte uns ins Haus stehen. Nichts ist mehr undenkbar! Außer vielleicht, dass eine Frau Päpstin wird. Vielleicht.

Wie Recht sie hat, zeigt ein einziger flüchtiger Blick in eine der Denkfabriken, in denen öffentliche Meinung, kulturelles Verständnis ausgeheckt werden. Nehmen wir die letzte Nummer von "NEWS" und bleiben wir auf dem Gebiet, wo es um die Kunst, die Kultur, einfach um das Ton-Angeben geht, im Friseur-Salon, den Madonna besucht. Und ich. Bei der Besucherin, die nicht Madonna war, handelte es sich um die Stylistin Uschi Fellner, die ihre Frauen-Macht voll mit dem Bekenntnis ausspielte: Mein Drang, im Ausland zum Friseur zu gehen, wurde mit jedem Negativerlebnis stärker. So ist das eben: Männer mit einem und mehreren Doktor-Titeln sitzen ein Leben lang in ihren Scheibstuben und kommen weder vom Fleck noch zu dickem Geld, aber die Vertreterin der Frauen-Macht im "NEWS" lebt sich aus: Letztens in London.

Bitte, es war nicht irgendein Salon, sondern der, den auch Madonna frequentiert. Schon die Anmeldung aus Wien war gar nicht einfach, jeder Mann hätte sich zu Tode gefürchtet. Doch langer Rede: Es klappte. Grußworte und Beschwerden wurden mir mit auf den Weg gegeben. Ich rollte die Augen. Ich gehe doch nicht hin, um Madonna zu treffen, ich will nur in den Salon, in den sie auch geht, sagte ich. Weil der gut sein muss, verstanden? Man verstand mich nicht. Das passiert den genialsten Frauen. Hauptsache, ich verstand.

Mein Friseur ist gesprächig, wie fein. Vom Typ her sieht er aus wie der Fitnesstrainer von Madonna, der, von dem sie ihre Tochter hat. Nur nicht mit der Tür ins Haus fallen, das muss man jetzt sensibel angehen, klar, wo doch Frauen-Macht Männern so viel Angst macht. Zeit für den finalen Schlag: Schon mal Madonna frisiert?, frage ich beiläufig, gerade, dass ich nicht im Anschluss unauffällig pfeife. Er glotzt mich an. Madonna? Die ist Kundin nebenan, im Salon zwei Häuser weiter.

Da kannst du noch so viel kulturelles Verständnis aushecken - es ist typisch, wie sich der Mann für seine Ängste vor der Frauen-Macht rächt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 16.9.2003)

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