Telekom Serbia: Mitarbeiter der Tiroler Sparkasse in Turin vernommen

21. September 2003, 16:14
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Corriere: Schmiergelder angeblich auf Bankkonto in Österreich gelandet

Die Staatsanwälte von Turin, die wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit dem Kauf eines 30-prozentigen Aktienpakets der Telekom Serbia durch die Telecom Italia im Jahr 1997 ermitteln, haben einen Mitarbeiter der Tiroler Sparkasse (Tispa) Innsbruck, Arnold Obermüller, vernommen. Wie die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Montag berichtete, wurde Obermüller in Zusammenhang mit einem Bankkonto vernommen, den die in Innsbruck beheimatete Gesellschaft Zara International bei der Tiroler Sparkasse geöffnet haben soll.

Bestätigung

Die Tiroler Sparkasse bestätigte die Einvernahme. Es gebe ein "ominöses Konto", das von einem Kunden in Italien eröffnet worden sei. Allerdings sei über dieses Konto bisher nur Geld in einer Größenordnung von 10.000 Euro geflossen.

Der "Corriere" schreibt, dass auf dem Bankkonto ein Teil der Schmiergelder im Wert von 120 Millionen Euro gelandet sein soll, die der ehemalige italienische Ministerpräsident Romano Prodi angeblich für den Telekom-Deal kassiert haben soll. Die Anschuldigungen des Geschäftsmannes Igor Marini gegen Prodi und die ehemaligen Minister Lamberto Dini und Piero Fassino sorgen in Italien seit Monaten für Aufregung. Die Schmiergelder sollen von der Zara International verwaltet worden sein, die im Besitz von zwei zwielichtigen Geschäftsmännern stand, berichtete Marini.

Ansuchen

Die Staatsanwaltschaft von Turin hatte Ende August an Österreich ein Rechtshilfeansuchen gerichtet. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte italienischen Medienberichten zufolge, dass das Gesuch den Wiener Justizbehörden zugeleitet werde, um Klarheit über mögliche geheime Bankkonten in Österreich zu schaffen, auf die Schmiergelder geflossen sein könnten.

Auslieferung

Marini, der Ende Juli dieses Jahres von den Schweizer Justizbehörden nach Italien ausgeliefert worden war, bekräftigte dieser Tage erneut, dass der damalige Premier Prodi Schmiergelder im Zusammenhang mit der Übernahme der Beteiligung an der Telekom Serbia kassiert habe. Marini belastete auch den damaligen Außenminister Lamberto Dini, der derzeit als Vertreter der italienischen Opposition im EU-Konvent sitzt, sowie den heutigen Oppositionschef Francesco Rutelli und den römischen Bürgermeister Walter Veltroni.

Marini hatte vor einer italienischen Untersuchungskommission erklärt, über 55 Millionen Dollar Schmiergelder für den Deal zwischen Telekom Serbia und Telecom Italia gewaschen zu haben. Akten, die das belegen, sollen im Tessin deponiert worden sein. Als Marini Anfang Mai zu Erkundungszwecken mit Mitgliedern der Untersuchungskommission in Lugano auftauchte, wurde er festgenommen. Die Schweiz verdächtigt ihn unter anderem der Geldwäscherei und des Betrugs.

Zweifel

In Italien wird an der Glaubwürdigkeit Marinis stark gezweifelt. Der Geschäftsmann mit einer Vergangenheit als Schauspieler in zweitrangigen Filmen sei öfters in Betrugsfälle verwickelt gewesen, berichteten italienische Medien. (APA)

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