Wiener Zeitzeuge des Spanischen Bürgerkriegs

15. September 2003, 13:48
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Hans Landauer veröffentlicht Kurzbiographien seiner Kameraden aus den Internationalen Brigaden

Wien - Hans Landauer kann es nicht lassen. 1936 zog der heute 82-Jährige 16-jährig aus, um sich in Spanien mit den Internationalen Brigaden den aufständischen Truppen rund um General Francisco Franco entgegenzustellen. Als Pensionist widmet er sich seit 1983 im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) seiner Spanienkämpfersammlung. Über 1.380 österreichische Freiwillige hat er Dossiers angelegt. Deren Kurzbiographien sind nun in Buchform erschienen. Es ist nicht die erste Publikation dieser Art. Aber die umfassendste und kompetenteste.

Landauers Tätigkeit

Landauer selbst war Melder in der MG-Kompanie des Österreicher-Bataillons 12. Februar der XI. Brigade. Der Name seiner Einheit erinnerte an die Februar-Kämpfe 1934. Sein Freiheitstraum endete in Dachau. Jahrzehnte später kann er nicht verleugnen, dass er nach seinem Abenteuer in Spanien und dem Zweiten Weltkrieg bei der Kripo arbeitete. Emsig suchte er die Spuren seiner Kameraden. Das sei er ihnen schuldig, sagt er. Er forschte in Österreich, Spanien, den Niederlanden, der Schweiz.... "Ein Historiker ist ein Kriminalbeamter, der in die Vergangenheit geht."

Bereits 1986 - zum 50. Jahrestag des Ausbruch des Bürgerkriegs - erschien der Band "Für Spaniens Freiheit" - Österreicher an der Seite der Spanischen Republik 1936-1939. Ein Hauptautor war Hans Landauer. Im Schriftsteller Erich Hackl hat er einen kongenialen Partner gefunden. Der aus Steyr gebürtige Romanist schilderte bereits 1999 in der Erzählung "Entwurf einer Liebe auf den ersten Blick" die tragische Liebesgeschichte von Karl Sequens, eines 1905 geborenen Wiener Eisenbahnersohnes, der ebenfalls in Spanien gegen Franco zur Waffe greift, mit der spanischen Krankenschwester Herminia Roudiere Perpina. Sequens stirbt 1945 in einem deutschen KZ.

"Die Zahl der noch lebenden Spanienkämpfer nimmt ab"

Gemeinsam schrieben Landauer und Hackl im Jahr 2000 das "Album Gurs", das die Zeit der österreichischen Interbrigadisten nach der Niederlage in Spanien im Internierungslager Gurs in Südfrankreich dokumentiert. Ob Landauer seine eigene Geschichte noch einmal in Buchform bringen wird? "Eine Frage, wie viel Zeit mir noch bleibt", sagte er einmal. Derzeit schreibt Landauer vor allem Nachrufe. "Die Zahl der noch lebenden Spanienkämpfer nimmt ab", schreibt er in seinem neuen Werk, "bald werden sie an den Fingern einer Hand abzuzählen sein. Deshalb hat es mich gedrängt, das Lexikon fertigzustellen." (APA)

Hans Landauer in Zusammenarbeit mit Erich Hackl: Lexikon der Spanienkämpfer. 1936.1939.
Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft, Wien 2003.
150 Abb., 258 Seiten, 24 Euro.
ISBN 3-901602-18-6
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