Österreichs Banken als Werkzeug der NS-Finanzpolitik

15. September 2003, 09:54
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Von der BA-CA-Gruppe eingesetzte Historikerkommission legt im Frühjahr 2004 ihren Schlussbericht vor

Wien - Die Recherchen sind so gut wie abgeschlossen, nun gießt die zur Erforschung der Geschichte der Creditanstalt, Länderbank und Zentralsparkasse während der NS-Zeit eingesetzte unabhängige Historikerkommission ihre Ergebnisse noch in eine schriftliche Form. Vorgelegt werden soll der Schlussbericht im Frühjahr 2004 - Zwischenergebnisse wurden nun aber bereits unter www.histcom.at veröffentlicht. Im Mittelpunkt dieser Beiträge: die heimischen Finanzinstitute als Werkzeug der NS-Finanzpolitik. Bisher eher nur gestreift wurde der Aspekt der Entschädigung der Opfer der Bankenpolitik der Jahre 1938 bis 1945.

Den (Aufarbeitungs-)Stein brachte 1998 der US-Anwalt Ed Fagan ins Rollen: er brachte eine Klage gegen Deutsche Bank, Dresdner Bank und weitere deutsche Bankinstitutionen ein. Kurz darauf publizierte die von der Deutschen Bank eingesetzte Historikerkommission ihren Bericht, in dem die CA als Drehscheibe für den Opfergoldhandel zwischen Deutscher Bank und ihrer Filiale in Istanbul dargestellt wird. Fagan stellte daraufhin ein Ultimatum an die CA, mit ihm in ein Gespräch einzutreten, doch die Bank lehnte ab. Daraufhin brachte Fagan im Herbst 1998 auch gegen die CA Klage ein - diese wurde der CA in New York zugestellt.

Anders als bei den beiden derzeit noch laufenden Verfahren aus dem Titel "Arisierung" wurde in der Banken-Causa jedoch relativ rasch eine Vereinbarung in Form eines Vergleichs getroffen, der im August 2001 rechtskräftig wurde. Vorgesehen wurde darin eine Summe von 40 Mio. Dollar für einen Vergleichsfonds, davon 30 Mio. für die Ansprüche jener Holocaust-Opfer, die von Vorgängerinstituten der Bank Austria bzw. der Creditanstalt zwischen 1938 und 1945 geschädigt wurden. Über den Vergleichsfonds hinaus wurden fünf Mio. Dollar an die Conference on Jewish Material Claims zu Gunsten österreichischer Holocaust-Opfer überwiesen.

Der Vergleich wurde von der in New York zuständigen Richterin Shirley Wohl Kram - die auch für das laufende vom Anwalt Jay R. Fialkoff angestrengte Verfahren verantwortlich zeichnet - im Jänner 2000 anerkannt. Dabei bestand die Richterin allerdings auf der Einsetzung einer Historikerkommission zur Aufarbeitung der Bankengeschichte in der NS-Zeit. Dieser Vorgabe wurde entsprochen: am 30. Juni 2000 nahm das Gremium unter Leitung von Gerald L. Feldman von der University of California/Berkeley seine Arbeit auf. Prominentes Mitglieder der Kommission: der heimische Zeithistoriker Oliver Rathkolb (Universität Wien).

Eine der zentralen Punkte jenes Materials, das von Feldman nun bereits veröffentlicht wurde: er weist darauf hin, dass oft übersehen werde, dass nach 1945 nicht nur österreichische Juden Restitutions- und Entschädigungsansprüche an die Banken stellten, sondern Creditanstalt und Länderbank selbst ihrerseits Ansprüche an Deutschland richteten, während sich gleichzeitig Bankinstitute anderer Staaten wiederum an die österreichischen Banken wandten. Worum es CA und Länderbank nach 1945 vor allem ging: ihre Industriebeteiligungen wieder zu erhalten, die sich die Nationalsozialisten einverleibt hatten.

Mit welchen Verflechtungen die eingesetzten Historiker zu kämpfen hatten zeigt der auf der Homepage der Kommission bereits veröffentlichte Beitrag der Historikerin Ulrike Zimmerl. Sie ging dem Schicksal der Hotels Imperial und Bristol nach - die Creditanstalt-Bankverein hatte seit den zwanziger Jahren Industriebeteiligungen an der Hotel Bristol AG und der Hotel Imperial AG inne. Das von Zimmerl gezeichnete Bild spiegelt das Schicksal vieler Unternehmer wider: "Arisierungen" und das Hinausdrängen jüdischer Aktienhalter stand auch hier auf der Tagesordnung. Rasch hielt in der Chefetage ein Sympathisant der NSDAP Einzug. Interessantes Detail: Adolf Hitler erkor das Hotel Imperial zu seiner Residenz, so er sich in Wien aufhielt. Das Hotel wurde zu Hitlers "Wiener Hauptquartier von Staat und Partei" - erstmals von ihm bereits im März 1938 nach der Machtergreifung bewohnt. (APA)

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