Zwettler denkt nicht an neue Partner

18. September 2003, 22:02
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Bawag-Chef hätte nicht gegen Börsengang und glaubt nicht an BayernLB-Rückzug

Wien - Der neue BAWAG-Generaldirektor Johann Zwettler glaubt nicht an den Rückzug des deutschen Großaktionärs BayernLB. Er habe aber auch nichts gegen die Börse, sagt der Chef der österreichischen Gewerkschaftsbank in einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten".

Das sommerliche Rumoren über die Unzufriedenheit des 46-Prozent-Aktionärs der BAWAG, der Bayerischen Landesbank (BayernLB), will der seit Mai amtierende Chef der mehrheitlich dem ÖGB (54 Prozent) gehörenden Bank nicht überbewerten. Zwettler verweist auf die seit 1996 gut funktionierende Partnerschaft und glaubt an deren Fortsetzung.

Rückzug nicht ausgeschlossen

BayernLB-Chef Werner Schmidt hatte für den Fall, dass es seinem Haus nicht gelinge, die strategische Führung der Bank zu übernehmen, einen Rückzug nicht ausgeschlossen. Der ÖGB besitzt für diese Anteile ein Vorkaufsrecht. Dieser würde davon aber nicht Gebrauch machen, erklärte ÖGB-Finanzchef Günter Weninger zuletzt: das mache wirtschaftlich keinen Sinn.

Gedanken über mögliche neue strategische Aktionäre schiebt die BAWAG derzeit weit von sich. Und die Frage, ob die Gewerkschaftsbank einmal an die Börse gehen könnte, beantwortet Zwettler grundsätzlich. "Ich habe nichts gegen die Börse", sagt er in dem Interview. Man würde sich nicht vor dem Kapitalmarkt scheuen. Auf Grund der guten Eigenmittelausstattung (11,5 Prozent) gebe es aber derzeit keinen Bedarf für Kapitalmaßnahmen.

EDV-Projekt

Die BAWAG/ P.S.K.-Gruppe stecke nach der Fusion der beiden Häuser mitten in ihrem größten EDV-Projekt, das bis 2005 rund 180 Mill. Euro kosten wird. Ebenfalls auf Schiene sei die gemeinsame Zahlungsverkehrsgesellschaft, die nach dem Ausstieg der BA-CA vorerst nur mit der Erste Bank vorangetrieben wird. Diese werde Teile ins hauseigene Rechenzentrum auslagern, sagt Zwettler, eine gemeinsame Gesellschaft könnte es Mitte 2004 geben. Diese sei für weitere Partner offen, etwa die Volksbanken- oder die 3-Banken-Gruppe. Angestrebt werde eine Branchengesellschaft, um die Verluste von rund 300 Mio. Euro p. a. im Zahlungsverkehr zu verringern. Wie berichtet ist der P.S.K.-Betriebsrat gegen diese Auslagerung.

Den Vertriebspartner der BAWAG/P.S.K.-Gruppe, die Österreichische Post AG, sähe Zwettler gerne weiter in österreichischer Hand. Er gehe aber davon aus, dass auch ein allfälliger neuer Eigentümer hohes Interesse an den Deckungsbeiträgen aus der Partnerschaft habe. Immerhin liefere die P.S.K. für die Nutzung der Postämter eine Vergütung von 80 Mill. Euro pro Jahr ab.

Neuer Postvorstand

Mit dem (neu zu bestellenden) Vorstand der Post sei man auch in guten Gesprächen über die Postversicherung. Die BAWAG/P.S.K. hält derzeit 40 Prozent und würde die restlichen Anteile gerne übernehmen. Sollte das noch heuer sein, "würden wir es tun". In der Folge würde man die Back-Office-Bereiche von Postversicherung und BAWAG Versicherung zusammen führen, aber die Marken erhalten, sagt Zwettler. Damit käme man in der Lebensversicherung auf 180 Mio. Euro Prämienvolumen.

Mit der Entwicklung im laufenden Jahr ist Zwettler zufrieden. Das Betriebsergebnis der ersten acht Monate liege 5 bis 7 Prozent höher als im Vorjahr. Weil er die Konjunktur aber nicht so positiv einschätzt, bleibt die Jahresprognose vorsichtig. Bei Kreditvorsorgen von rund 140 Mio. Euro werde das EGT der Gruppe mit rund 120 Mio. Euro auf Vorjahresniveau liegen.(APA)

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Bawag

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    Bawag-Chef lobt die gute Zusammenarbeit mit der BayernLB

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